
Die größte Gefahr in Ihrer Küche ist nicht der Schmutz, den Sie sehen, sondern die Kontaminationsketten, die Sie unbewusst aufbauen.
- Die strikte Trennung von Arbeitsgeräten nach Farbcodes (HACCP) ist kein Vorschlag, sondern ein unumgängliches Protokoll zur Verhinderung von Pathogenübertragung.
- Die physikalischen Gesetze der Thermik und Gravitation im Kühlschrank diktieren die einzig sichere Lagerung von Lebensmitteln, um Kontaminationen zu verhindern.
- Reinigung ist eine Wissenschaft: Der pH-Wert Ihres Reinigers entscheidet über Sieg oder Niederlage gegen Fett (alkalisch) und Kalk (sauer).
Empfehlung: Behandeln Sie Ihre Küche nicht wie einen Wohlfühlort, sondern wie ein Labor. Implementieren Sie unnachgiebige, wissenschaftlich fundierte Protokolle für jede einzelne Handlung, um die unsichtbaren Bedrohungen zu eliminieren.
In jeder professionellen Küche oder Vereinsküche herrscht die Illusion der Kontrolle. Oberflächen glänzen, Böden sind gewischt, und das Personal wäscht sich routiniert die Hände. Doch dieser oberflächliche Eindruck von Sauberkeit ist trügerisch und gefährlich. Die wahre Bedrohung ist unsichtbar, geruchlos und lauert auf jeder Oberfläche, jedem Werkzeug und in jedem Tropfen Wasser. Wir sprechen von pathogenen Mikroorganismen, die durch Kreuzkontamination verbreitet werden – dem stillen Feind, der für einen Großteil lebensmittelbedingter Erkrankungen verantwortlich ist.
Die gängigen Ratschläge wie „regelmäßig Hände waschen“ oder „Arbeitsflächen sauber halten“ sind zwar fundamental, aber sie kratzen nur an der Oberfläche des Problems. Sie adressieren nicht die komplexen und oft kontraintuitiven Wege, auf denen sich Pathogene wie Salmonellen, Campylobacter oder Noroviren ausbreiten. Ein feuchter Lappen wird zum Vektor, ein Tropfen Auftauwasser zur biologischen Waffe und eine falsch platzierte Schale im Kühlschrank zur Brutstätte für eine Kontaminationskette.
Dieser Leitfaden verfolgt daher einen anderen Ansatz. Wir betrachten die Küche nicht als kreativen Raum, sondern als ein Labor, in dem chemische und mikrobiologische Prozesse stattfinden. Jede Handlung muss einem strengen Protokoll folgen, das auf der Wissenschaft der Hygiene basiert. Es geht nicht darum, Tipps zu geben, sondern darum, unnachgiebige Verteidigungslinien gegen einen unsichtbaren Feind zu errichten. Wir werden die primären Vektoren der Kreuzkontamination analysieren und klinisch präzise Protokolle zu ihrer Neutralisierung vorstellen. Denn in der Gastronomie ist Sicherheit keine Option, sondern eine absolute Notwendigkeit.
Dieser Artikel seziert die kritischsten Kontaminationspfade in Ihrer Küche. Jeder Abschnitt ist eine direkte Anweisung, um eine spezifische, oft übersehene Schwachstelle in Ihrem Hygienesystem zu eliminieren.
Inhaltsverzeichnis: Die Anatomie der unsichtbaren Kontamination
- Warum darf der rote Lappen niemals die Arbeitsfläche für Salat berühren?
- Warum gehört rohes Fleisch immer nach unten und Gemüse nach oben?
- Wie lange überlebt ein Virus auf einer Türklinke in der Küche?
- Warum darf Auftauwasser niemals mit anderen Lebensmitteln in Kontakt kommen?
- Sauer oder alkalisch: Welcher Reiniger entfernt Fett und welcher Kalk?
- Wie schaffen Sie es, dass die Küche nach dem Servieren fast schon sauber ist?
- Edelstahl, Silikon oder Holz: Welches Material ist hygienisch und hitzeständig am besten?
- Wie setzen Sie Hygienekonzepte um, ohne dass der Papierkram den Küchenalltag lahmlegt?
Warum darf der rote Lappen niemals die Arbeitsfläche für Salat berühren?
Die Antwort ist ein unumstößliches Protokoll zur Verhinderung von Krankheitsausbrüchen. Jedes Jahr werden in Deutschland über 100.000 gemeldete Erkrankungen durch Lebensmittelinfektionen registriert. Ein signifikanter Anteil davon entsteht durch Kreuzkontamination, bei der ein Putzlappen der primäre Vektor ist. Ein Lappen, der zur Reinigung einer mit rohem Fleisch kontaminierten Oberfläche verwendet wurde, wird selbst zu einer Petrischale. Wenn dieser Lappen dann zur Reinigung einer Fläche genutzt wird, auf der verzehrfertige Lebensmittel wie Salat zubereitet werden, ist die Übertragung von Pathogenen wie E. coli oder Salmonellen unausweichlich.
Das HACCP-Konzept (Hazard Analysis and Critical Control Points) ist keine Empfehlung, sondern ein wissenschaftlich basiertes System zur Gefahrenvermeidung. Das darin verankerte Farbsystem für Reinigungsutensilien und Schneidebretter ist ein entscheidendes Protokoll. Rot ist universell für rohes Fleisch reserviert, eine Zone mit höchstem Kontaminationsrisiko. Grün steht für Obst und Gemüse, Blau für Fisch, Gelb für Geflügel. Diese strikte Trennung unterbricht die Kontaminationskette an ihrer Wurzel. Jede Abweichung von diesem Protokoll ist ein aktiver Sabotageakt an der Lebensmittelsicherheit.
| Farbe | Verwendungszweck | Kontaminationsrisiko |
|---|---|---|
| Rot | Rohes Fleisch | Sehr hoch |
| Gelb | Geflügel und Eier | Sehr hoch |
| Grün | Obst und Gemüse | Niedrig |
| Blau | Fisch und Meeresfrüchte | Hoch |
| Weiß | Backwaren und Milchprodukte | Mittel |
| Schwarz | Gegartes Fleisch | Niedrig |
Die Verwendung eines roten Lappens für eine Salatarbeitsfläche ist somit nicht nur ein Fehler, sondern ein grob fahrlässiger Akt, der die Gesundheit von Gästen direkt gefährdet. Es gibt hier keinen Spielraum für Interpretation. Die Farbcodes sind Gesetze der Küchenhygiene.
Warum gehört rohes Fleisch immer nach unten und Gemüse nach oben?
Diese Anordnung ist keine Frage der Gewohnheit, sondern eine direkte Anwendung physikalischer und mikrobiologischer Prinzipien. In einem Kühlschrank ist die Temperatur nicht homogen. Kalte Luft ist dichter und sinkt nach unten, während wärmere Luft aufsteigt. Die kälteste Zone, meist direkt über dem Gemüsefach, ist daher der einzig akzeptable Lagerort für die kritischsten Lebensmittel: rohes Fleisch und Fisch. Hier, bei Temperaturen um 0-2 °C, wird das Wachstum von Pathogenen am effektivsten gehemmt.
Der zweite, noch kritischere Grund ist die Schwerkraft. Fleischsäfte, die unweigerlich austreten können, sind hochkonzentrierte Vektoren für Bakterien wie Salmonellen oder Campylobacter. Wird Fleisch über anderen Lebensmitteln gelagert, können diese Säfte auf verzehrfertige Produkte wie Salate, Käse oder gekochte Speisen tropfen. Dies stellt eine direkte und massive Kreuzkontamination dar, die durch anschließendes Kochen nicht mehr behoben wird. Die Lagerung von rohem Fleisch auf der untersten Ebene in einer abgedeckten Schale ist somit ein nicht verhandelbares Sicherheitsprotokoll.

Die korrekte Organisation des Kühlschranks folgt einer strengen Hierarchie des Risikos. Oben lagern gekochte und verzehrfertige Speisen, in der Mitte Milchprodukte und unten das rohe Fleisch. Das Gemüsefach bildet eine physische Barriere nach unten und ist für Obst und Gemüse reserviert. Jede Abweichung von dieser Ordnung erhöht das Kontaminationsrisiko exponentiell.
Wie lange überlebt ein Virus auf einer Türklinke in der Küche?
Die Antwort ist alarmierend und unterstreicht die Bedeutung der Desinfektion von Kontaktflächen. Während Bakterien oft Feuchtigkeit benötigen, können Viren wie das Norovirus auf trockenen, unbelebten Oberflächen extrem widerstandsfähig sein. Türklinken, Griffe von Kühlschränken, Lichtschalter oder Armaturen sind Hochfrequenz-Kontaktpunkte und damit primäre Vektoren für die Übertragung. Eine einzige kontaminierte Hand kann eine Kettenreaktion auslösen, die sich durch die gesamte Küche und das Personal zieht.
Studien des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) sind hier eindeutig: Das BfR bestätigt, dass Noroviren auf Oberflächen wie Metall oder Kunststoff über Tage bis hin zu mehreren Wochen infektiös bleiben können. Das bedeutet, eine Türklinke, die heute kontaminiert wurde, kann auch nächste Woche noch eine Infektionsquelle sein. Die Vorstellung, dass eine routinemäßige Reinigung am Ende des Tages ausreicht, ist damit widerlegt. Diese Kontaktflächen müssen als kritische Kontrollpunkte behandelt und nach einem festen Zeitplan desinfiziert werden, insbesondere während der Stoßzeiten.
Die Kontaminationskette ist simpel und verheerend: Eine Person mit (möglicherweise noch symptomfreien) Noroviren berührt die Toilettenspülung, dann die Türklinke. Die nächste Person berührt die Klinke und bereitet anschließend einen Salat zu. Das Virus wird ohne Erhitzung direkt auf das Lebensmittel übertragen. Händewaschen allein reicht nicht, wenn die Umgebung selbst ein kontaminierter Vektor ist. Regelmäßige Desinfektion dieser neuralgischen Punkte ist die einzige wirksame Verteidigungslinie.
Warum darf Auftauwasser niemals mit anderen Lebensmitteln in Kontakt kommen?
Auftauwasser von Fleisch, insbesondere von Geflügel, ist keine harmlose Flüssigkeit. Es ist eine hochinfektiöse Suspension von pathogenen Mikroorganismen. Laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung ist Campylobacter der häufigste Erreger von bakteriellen Lebensmittelinfektionen in Deutschland, und Geflügelfleisch ist eine der Hauptquellen. Das Auftauwasser fungiert als perfektes Transportmittel für diese Bakterien.
Wenn dieses Wasser mit Arbeitsflächen, anderen Lebensmitteln oder dem Spülbecken in Kontakt kommt, findet eine massive Kontamination statt. Ein häufiger und extrem gefährlicher Fehler ist das Waschen von rohem Geflügel unter fließendem Wasser. Dies erzeugt einen feinen Sprühnebel (Aerosol), der Campylobacter-Bakterien in einem Radius von bis zu einem Meter um das Spülbecken verteilt. Arbeitsflächen, Utensilien und bereitgestellte Lebensmittel werden so unbemerkt kontaminiert. Das Fleisch zu waschen, ist keine Sicherheitsmaßnahme, sondern ein Akt der aktiven Kontaminationsverbreitung.
Die korrekte Handhabung ist ein striktes Isolationsprotokoll:
- Gefrorenes Fleisch muss immer in einer ausreichend tiefen Schale oder einem Teller im Kühlschrank aufgetaut werden, um das Austreten von Auftauwasser zu verhindern.
- Das gesammelte Auftauwasser muss sofort und direkt in den Ausguss entsorgt werden.
- Das Spülbecken, die Schale und alle Utensilien, die mit dem rohen Fleisch oder dem Wasser in Kontakt kamen, müssen unverzüglich mit heißem Wasser (über 60 °C) und Spülmittel gereinigt oder in der Spülmaschine desinfiziert werden.
- Die Hände müssen nach jedem Kontakt gründlich mit Seife gewaschen werden.
Jeder Tropfen Auftauwasser muss als biologisches Gefahrengut behandelt werden. Es gibt keinerlei Toleranz für den Kontakt mit anderen Elementen der Küche.
Sauer oder alkalisch: Welcher Reiniger entfernt Fett und welcher Kalk?
Die Wahl des Reinigungsmittels ist kein Ratespiel, sondern angewandte Chemie. Der pH-Wert eines Reinigers bestimmt seine spezifische Wirksamkeit gegen verschiedene Arten von Verschmutzungen. Eine falsche Wahl führt nicht nur zu mangelnder Sauberkeit, sondern kann auch Biofilme hinterlassen, in denen sich Pathogene vermehren. Man unterscheidet zwischen Reinigung, also der Entfernung von Schmutz, und Desinfektion, der Abtötung von Mikroorganismen. Eine effektive Reinigung ist die Voraussetzung für eine wirksame Desinfektion.
Die Grundregel ist einfach und basiert auf chemischen Reaktionen:
- Saure Reiniger (pH 1-6): Diese sind spezialisiert auf die Auflösung von mineralischen Ablagerungen. Kalk, Urinstein oder Rost werden durch Säuren wie Zitronen-, Essig- oder Phosphorsäure chemisch zersetzt und entfernt. Sie sind ideal für Wasserhähne, Spülbecken und Fliesen.
- Alkalische (basische) Reiniger (pH 8-14): Diese sind die Spezialisten für organische Verschmutzungen. Fette, Öle und Eiweiße werden durch die Lauge verseift und wasserlöslich gemacht. Sie sind die erste Wahl für Herde, Dunstabzugshauben und Friteusen.
Der Versuch, eine fettige Dunstabzugshaube mit einem sauren Kalkreiniger zu säubern, ist zwecklos. Umgekehrt wird ein alkalischer Fettlöser einen verkalkten Wasserhahn nicht reinigen. Die Kenntnis des pH-Wertes und des Anwendungsbereichs ist für professionelle Hygiene unerlässlich.

Die folgende Tabelle dient als operatives Protokoll zur Auswahl des korrekten chemischen Werkzeugs.
| Problem | pH-Bereich | Wirkstoff | Produktbeispiel |
|---|---|---|---|
| Kalkablagerungen | 1-4 (sauer) | Zitronensäure/Essig | Frosch Essigreiniger |
| Fettverschmutzung | 9-13 (alkalisch) | Natronlauge/Soda | Bref Power Fettlöser |
| Eiweißreste | 10-12 (alkalisch) | Enzyme | Spülmaschinentabs |
| Rostflecken | 1-3 (stark sauer) | Phosphorsäure | Spezialreiniger |
Wie schaffen Sie es, dass die Küche nach dem Servieren fast schon sauber ist?
Die Antwort liegt in einem Paradigmenwechsel: Betrachten Sie Sauberkeit nicht als eine Aufgabe, die nach dem Kochen anfällt, sondern als einen integralen Bestandteil des Kochprozesses selbst. Das in der französischen Haute Cuisine etablierte Prinzip des „Mise en Place“ – das Bereitstellen aller Zutaten vor dem Kochen – muss um eine hygienische Komponente erweitert werden. Das Prinzip lautet: „Clean as you go“ (Reinigen während des Arbeitens).
Dies ist kein optionaler Stil, sondern ein hocheffizientes System zur permanenten Aufrechterhaltung der Hygiene und zur Minimierung des finalen Reinigungsaufwands. Anstatt am Ende vor einem Berg von schmutzigem Geschirr und kontaminierten Flächen zu stehen, wird jede Verunreinigung sofort eliminiert. Dies verhindert nicht nur die Ausbreitung von Bakterien während des Kochprozesses, sondern sorgt auch für einen klaren, sicheren und organisierten Arbeitsablauf. Die Küche bleibt während des gesamten Service in einem Zustand kontrollierter Sauberkeit.
Die Implementierung erfordert Disziplin und die Einrichtung fester Arbeitsabläufe. Jeder Handgriff muss sitzen, und das Wegräumen und Reinigen muss zur zweiten Natur werden. Es ist ein kontinuierlicher Kreislauf aus Vorbereiten, Kochen und sofortigem Säubern.
Ihr Aktionsplan: Die ‚Clean as you go‘-Methode
- Stationen vorbereiten: Stellen Sie vor Beginn eine Abfallschüssel für Biomüll direkt auf der Arbeitsfläche bereit. Füllen Sie ein Spülbecken mit heißem Seifenwasser, das als sofortige Einweichstation für benutzte Utensilien dient.
- Direktes Einweichen: Legen Sie jedes benutzte Messer, jeden Löffel und jede Schüssel sofort nach Gebrauch in das vorbereitete Seifenwasser. Dies verhindert das Antrocknen von Resten und erleichtert die Endreinigung massiv.
- Zwischenreinigung der Flächen: Wischen Sie Ihre Arbeitsfläche nach jedem abgeschlossenen Arbeitsschritt (z.B. nach dem Schneiden von Gemüse und vor der Verarbeitung von Fleisch) mit einem sauberen Tuch (gemäß Farbcode) ab.
- Leerräume nutzen: Nutzen Sie kurze Wartezeiten, während etwas kocht oder brät, um bereits eingeweichte Utensilien zu spülen oder Oberflächen final zu reinigen.
- Der 10-Minuten-Sprint: Stellen Sie einen Timer auf 10 Minuten direkt nach dem Servieren. In dieser Zeit wird die Küche in einen grundsauberen Zustand versetzt. Was bis dahin nicht erledigt ist, wurde im Prozess falsch gehandhabt.
Diese Methode transformiert die Küchenarbeit von einem chaotischen Prozess zu einem strukturierten, sauberen und sicheren Protokoll.
Edelstahl, Silikon oder Holz: Welches Material ist hygienisch und hitzeständig am besten?
Die Materialwahl in einer Küche ist eine strategische Entscheidung, die Hygiene, Langlebigkeit und Sicherheit direkt beeinflusst. Ästhetik ist hier sekundär. Jedes Material hat spezifische Eigenschaften, die es für bestimmte Aufgaben qualifizieren oder disqualifizieren. Eine faktenbasierte Analyse ist entscheidend, um die richtigen Werkzeuge für einen sicheren Betrieb auszuwählen.
Edelstahl ist der unangefochtene Champion in professionellen Küchen. Seine Oberfläche ist porenfrei, was bedeutet, dass Bakterien keine Nischen finden, um sich festzusetzen und Biofilme zu bilden. Es ist extrem hitzebeständig, chemisch inert gegenüber Säuren und Laugen und lässt sich leicht reinigen und desinfizieren. Für Arbeitsflächen, Töpfe und kritische Werkzeuge gibt es keine hygienischere Option.
Silikon ist eine flexible und hitzebeständige (bis ca. 230 °C) Alternative für Utensilien wie Teigschaber oder Backformen. Es ist ebenfalls porenfrei und spülmaschinenfest. Seine Flexibilität kann jedoch bei Verschleiß zu Mikrorissen führen, was die Hygiene beeinträchtigt. Es ist gut, aber nicht auf dem Niveau von Edelstahl.
Fallstudie: Der Mythos des unhygienischen Holzbretts
Entgegen der landläufigen Meinung sind Schneidebretter aus Hartholz (z.B. Eiche, Buche) nicht zwangsläufig unhygienischer als Kunststoff. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass die im Holz enthaltenen Gerbsäuren (Tannine) natürliche antibakterielle Eigenschaften besitzen. Während Kunststoffbretter mit der Zeit tiefe Kratzer entwickeln, in denen sich Bakterien ansiedeln und vermehren, können sich die Fasern von Holzbrettern bei richtiger Pflege (Handwäsche, regelmäßiges Ölen) gewissermaßen selbst „heilen“. Ein zerkratztes, altes Kunststoffbrett ist oft eine größere Bakterienschleuder als ein gut gepflegtes Holzbrett.
Die folgende Übersicht fasst die wichtigsten Eigenschaften zusammen und dient als Entscheidungsgrundlage.
| Material | Hygiene | Hitzebeständigkeit | Langlebigkeit | Pflegeaufwand |
|---|---|---|---|---|
| Edelstahl | Sehr gut | Exzellent (500°C+) | Sehr hoch | Niedrig |
| Silikon | Gut | Gut (bis 230°C) | Mittel | Niedrig |
| Holz (Buche) | Gut (antibakteriell) | Mittel (bis 180°C) | Hoch bei Pflege | Hoch |
| Kunststoff | Mittel | Niedrig (bis 100°C) | Niedrig | Mittel |
| Melamin | Gut | Niedrig (bis 70°C) | Mittel | Niedrig |
Das Wichtigste in Kürze
- Protokollierte Trennung: Die strikte Einhaltung von Farbcodes (HACCP) für rohe und verzehrfertige Lebensmittel ist die wirksamste Waffe gegen Kreuzkontamination. Es gibt keine Ausnahmen.
- Physik und Thermik beherrschen: Die richtige Lagerung im Kühlschrank (roh nach unten) und der Umgang mit Auftauwasser sind keine Tipps, sondern Anwendungen physikalischer Gesetze zur Risikominimierung.
- Prozessintegrierte Reinigung: Die „Clean as you go“-Methode, bei der Reinigung ein integraler Bestandteil des Kochvorgangs ist, verhindert die Entstehung von Kontaminationsherden und Chaos.
Wie setzen Sie Hygienekonzepte um, ohne dass der Papierkram den Küchenalltag lahmlegt?
Die Dokumentationspflicht im Rahmen von HACCP-Konzepten ist oft eine der größten Hürden in der Praxis. Reinigungspläne, Temperaturkontrollen und Checklisten können zu einem bürokratischen Monster anwachsen, das wertvolle Zeit raubt und die Akzeptanz im Team untergräbt. Die Lösung liegt nicht darin, die Dokumentation zu vernachlässigen, sondern sie zu digitalisieren und zu automatisieren. Moderne Technologie kann die Einhaltung von Protokollen sicherstellen, ohne den Arbeitsfluss zu stören.
Smartphones und einfache digitale Werkzeuge können Papierlisten ersetzen und die Hygiene-Routine in den Alltag integrieren. Anstatt auf das Gedächtnis oder veraltete Ausdrucke an der Wand zu vertrauen, schaffen digitale Systeme Verbindlichkeit und Nachvollziehbarkeit. Wiederkehrende Aufgaben werden zu automatischen Erinnerungen, und Checklisten sind jederzeit und überall verfügbar. Dies reduziert nicht nur den Papierkram, sondern erhöht auch nachweislich die Zuverlässigkeit der Umsetzung.
Die folgenden Schritte zeigen, wie eine digitale Routine aussehen kann:
- Smartphone-Kalender nutzen: Richten Sie wiederkehrende Termine für kritische Hygieneaufgaben ein. Zum Beispiel tägliche Erinnerungen zur Temperaturkontrolle der Kühlgeräte oder wöchentliche Termine zur Grundreinigung bestimmter Bereiche.
- Digitale Checklisten: Verwenden Sie einfache Notiz-Apps oder spezialisierte Checklist-Apps (z.B. Google Keep, Todoist), um Reinigungspläne zu erstellen. Ein QR-Code, der an den Kühlschrank oder die Wand geklebt wird, kann direkt zu dieser digitalen Liste verlinken. Mitarbeiter scannen den Code und arbeiten die Punkte ab.
- Push-Nachrichten als Trigger: Richten Sie kontextbezogene Erinnerungen ein. Eine automatisierte Nachricht nach Feierabend könnte lauten: „Alle Oberflächen desinfiziert und dokumentiert?“.
Die Digitalisierung transformiert eine lästige Pflicht in einen nahtlosen, effizienten Prozess. Der Fokus verschiebt sich von der Verwaltung von Papier zur tatsächlichen Durchführung der Hygienemaßnahmen. So wird sichergestellt, dass die Protokolle nicht nur existieren, sondern gelebt werden.
Beginnen Sie noch heute mit der Implementierung dieser digitalen Protokolle. Die Sicherheit Ihrer Gäste und die Effizienz Ihres Betriebs sind nicht verhandelbar und dulden keinen Aufschub durch analoge Prozesse.
Häufige Fragen zu Kreuzkontaminationen in der Küche
Was sind die 3 wichtigsten Hygiene-Gewohnheiten in der Küche?
1. Konsequente Trennung von rohen und garen Lebensmitteln durch separate Utensilien und Arbeitsflächen (HACCP-Farbsystem). 2. Gründliches Erhitzen von Speisen auf eine Kerntemperatur von mindestens 70°C, um die meisten Pathogene abzutöten. 3. Sofortige und gründliche Reinigung kritischer Oberflächen und Hände nach jedem Kontakt mit rohem Fleisch, Fisch oder Eiern.
Wie oft sollten Küchenlappen gewechselt werden?
Bei intensiver Nutzung in einer professionellen Umgebung müssen Reinigungstücher täglich, wenn nicht sogar mehrfach täglich gewechselt werden. Sie müssen bei mindestens 60°C, vorzugsweise bei 90°C (Kochwäsche), gewaschen werden, um alle Bakterien und Viren sicher abzutöten. Ein feuchter, warmer Lappen ist ein idealer Nährboden für Mikroorganismen.
Brauche ich Desinfektionsmittel in der Privatküche?
In der Regel ist in einem privaten Haushalt keine routinemäßige Desinfektion notwendig. Gründliches Reinigen mit heißem Wasser und Spülmittel, gefolgt von sorgfältigem Trocknen, sowie das Waschen von Textilien bei 60°C reichen aus, um eine sichere Umgebung zu gewährleisten. Eine Ausnahme besteht, wenn Personen im Haushalt an ansteckenden Magen-Darm-Erkrankungen leiden. In diesem Fall ist eine gezielte Desinfektion von Kontaktflächen (Toiletten, Türklinken, Armaturen) sinnvoll.