Veröffentlicht am März 15, 2024

Das Label „regional“ im Supermarkt ist oft eine Marketing-Illusion. Echte Regionalität misst sich in Transparenz und Qualität, nicht in vagen Kilometern.

  • „Regional“ im Supermarkt kann über 130 km bedeuten, während Fleisch vom Bauernhof durch höhere Qualität (z.B. weniger Wasserverlust beim Braten) seinen Preis wert ist.
  • Heimisches Wild ist oft das ehrlichste Bio-Fleisch, da es frei von Antibiotika und künstlichem Futter aufwächst und strengen Kontrollen unterliegt.

Empfehlung: Werden Sie zum Regional-Detektiv. Hinterfragen Sie die Herkunft, kaufen Sie saisonal und entdecken Sie den wahren Wert und Geschmack lokaler Produkte wieder.

Das verlockende Schild „Aus unserer Region“ im Supermarkt verspricht Frische, Heimatverbundenheit und die Unterstützung lokaler Bauern. Es fühlt sich richtig an, danach zu greifen. Doch was, wenn dieses gute Gefühl auf einer Illusion basiert? Was, wenn die „Region“ hunderte Kilometer umfasst und das Produkt mehr Zeit auf der Autobahn als auf dem Feld verbracht hat? Viele Verbraucher, die bewusst einkaufen möchten, stehen vor einem Dilemma: Dem vermeintlich praktischen Regionalregal im Supermarkt oder dem authentischen, aber oft als teurer wahrgenommenen Hofladen. Die Verwirrung ist gewollt, denn hinter dem Begriff „regional“ verbirgt sich oft cleveres Marketing, das Transparenz scheut.

Die üblichen Ratschläge – auf Siegel achten, Bauernmärkte besuchen – sind ein Anfang, kratzen aber nur an der Oberfläche. Sie beantworten nicht die entscheidende Frage: Wie unterscheide ich als Käufer echte, ehrliche Qualität von einer gut verpackten Herkunfts-Lüge? Was, wenn der wahre Wert eines Lebensmittels nicht am Preisschild pro Kilo hängt, sondern an seiner Geschichte, seiner Aufzucht und dem Wissen, das für seine Zubereitung nötig ist? Statt blind Labels zu vertrauen, müssen wir selbst zu einer Art Regional-Detektiv werden. Es geht darum, die richtigen Fragen zu stellen und die Zusammenhänge zwischen Herkunft, Geschmack und Zubereitung zu verstehen.

Dieser Guide ist Ihre Ausbildung zum Regional-Scout. Wir werden die vagen Definitionen von „Region“ entlarven und aufdecken, warum das teurere Fleisch vom Bauern tatsächlich preiswerter sein kann. Wir zeigen Ihnen, wie Sie den Weg Ihrer Lebensmittel lückenlos zurückverfolgen und warum saisonale Produkte nicht nur besser schmecken, sondern auch Ihre Kreativität in der Küche beflügeln. Machen Sie sich bereit für eine kulinarische Spurensuche, die Ihren Einkauf für immer verändern wird.

Um Ihnen eine klare Orientierung zu geben, beleuchtet dieser Artikel die entscheidenden Aspekte, die Ihnen helfen, bewusste und informierte Entscheidungen zu treffen. Der folgende Überblick führt Sie durch die wichtigsten Stationen Ihrer Ermittlungsarbeit als Regional-Scout.

Wie weit darf „aus der Region“ entfernt sein, bevor der Begriff irreführend wird?

Der Begriff „regional“ ist rechtlich nicht geschützt und somit dehnbar wie ein Gummiband. Diese Grauzone nutzen große Supermarktketten gezielt aus. Während Sie vielleicht an den Bauernhof im Nachbardorf denken, kann die Realität ganz anders aussehen. Eine ZDF-Untersuchung brachte ans Licht, dass Produkte unter dem Label „REWE Regional“ eine durchschnittliche Entfernung von 118 Kilometern zurücklegen. Bei Edeka sind es sogar im Schnitt 133 Kilometer. Diese Distanzen werfen die berechtigte Frage auf, ob hier nicht eher von überregionaler Logistik als von lokaler Verbundenheit gesprochen werden sollte.

Selbst das „Regionalfenster“, ein freiwilliges Kennzeichnungssystem, das für mehr Transparenz sorgen soll, bietet nur bedingt Klarheit. Die offizielle Definition besagt: „Die Region muss kleiner als die Bundesrepublik Deutschland sein, sie kann jedoch bei Naturräumen Staats- oder Ländergrenzen überschreiten.“ Das kann bedeuten, dass ein Apfel aus dem Alten Land bei Hamburg in München noch als „regional“ verkauft wird, wenn die Region entsprechend weit gefasst ist. Die wahre Herkunft bleibt oft im Kleingedruckten verborgen.

Um diesen Marketing-Nebel zu durchdringen, hilft ein kritischer Blick auf die verschiedenen Definitionen. Die Direktvermarktung ab Hof bietet hier die größte Sicherheit, da die Herkunft direkt vor Ort ist.

Definitionen von „Regional“ nach verschiedenen Kennzeichnungen
Kennzeichnung Definition Maximale Entfernung
Regionalfenster Landkreis oder Kilometerradius Variabel, oft 30-100 km
REWE Regional Bundesland oder angrenzende Gebiete Bis zu 150 km
EDEKA Regional Regionale Partnerbetriebe Durchschnitt 133 km
Direktvermarktung Hofladen Eigene Produktion vor Ort 0-20 km

Letztendlich liegt es am Verbraucher, zum Detektiv zu werden. Der Begriff „regional“ allein ist kein Garant für kurze Wege. Nur wer gezielt nachfragt oder auf Erzeuger setzt, die ihre Lieferketten offenlegen, kann die Herkunfts-Lüge entlarven und wirklich lokale Produkte finden.

Warum ist das Fleisch beim Bauern oft teurer, aber preiswerter (ihren Preis wert)?

Auf den ersten Blick wirkt das Preisschild für Fleisch im Hofladen oft abschreckend. Ein Kilopreis, der deutlich über dem des Supermarkt-Angebots liegt, lässt viele zögern. Doch hier beginnt die Ermittlungsarbeit des Regional-Scouts: Es geht darum, den Unterschied zwischen Preis und Wert zu verstehen. Die entscheidende Frage lautet nicht „Was kostet es?“, sondern „Was bekomme ich für mein Geld?“. Der Schlüsselbegriff hier ist Preis-Wertigkeit.

Ein entscheidender Faktor ist der Wasserverlust. Fleisch von Tieren aus langsamer, artgerechter Aufzucht hat eine festere Zellstruktur. Beim Braten in der Pfanne verliert es deutlich weniger Wasser als industriell produziertes Fleisch. Das bedeutet: Von einem Kilo Fleisch vom Bauernhof landet am Ende mehr auf dem Teller. Der vermeintlich höhere Preis relativiert sich also bereits durch die geringere Schrumpfung. Hinzu kommt ein intensiverer Geschmack, der durch natürliche Fütterung und mehr Bewegung der Tiere entsteht. Sie kaufen nicht nur Fleisch, sondern auch ein kulinarisches Erlebnis.

Zudem umgehen Sie beim Direktvermarkter eine lange Kette von Zwischenhändlern, Verarbeitern und Logistikern, die alle mitverdienen wollen. Das Geld fließt direkt in den landwirtschaftlichen Betrieb, sichert dessen Existenz und fördert eine nachhaltige Bewirtschaftung der Flächen. Der höhere Preis ist also auch eine Investition in die lokale Wirtschaftsstruktur und den Erhalt der Kulturlandschaft. Wer clever einkauft, kann sogar sparen: Größere Mengen kaufen und einfrieren, nach günstigeren, aber geschmacksintensiven Teilen wie Bug oder Brust fragen oder sich an Mischpaketen beteiligen, sind effektive Strategien.

Warum ist heimisches Wild oft das ehrlichste Bio-Fleisch, das Sie kaufen können?

In der Debatte um artgerechte Tierhaltung und Fleischqualität gibt es einen Kandidaten, der oft übersehen wird, aber die höchsten Standards quasi von Natur aus erfüllt: heimisches Wild. Wenn Sie nach einem wirklich authentischen und unbelasteten Produkt suchen, ist Wild aus den Wäldern der Region oft die beste Wahl. Man könnte es als das ehrlichste Fleisch bezeichnen, da es keinerlei menschliche Eingriffe wie Mast, Medikamentengabe oder enge Ställe erfahren hat.

Tiere wie Rehe, Hirsche oder Wildschweine leben vollständig frei, ernähren sich von dem, was der Wald ihnen bietet – Kräuter, Knospen, Gräser – und sind ständig in Bewegung. Das Ergebnis ist ein mageres, proteinreiches und aromatisches Fleisch, das frei von Antibiotika-Rückständen oder Wachstumshormonen ist. Wie der Deutsche Jagdverband betont, unterliegt die Jagd und die anschließende Verarbeitung strengen gesetzlichen Regelungen, einschließlich der obligatorischen Trichinenschau bei Wildschweinen, um höchste Lebensmittelsicherheit zu gewährleisten.

Wild aus heimischen Wäldern unterliegt dem Bundesjagdgesetz und strengen Kontrollen wie der Trichinenschau. Die Tiere leben vollständig frei und ernähren sich natürlich – ohne Antibiotika oder Zusatzfutter.

– Deutscher Jagdverband, Leitlinien zur Wildfleischvermarktung

Der Kauf direkt beim örtlichen Forstamt oder einem Jäger Ihres Vertrauens garantiert nicht nur eine lückenlose Rückverfolgbarkeit, sondern auch maximale Frische. Sie unterstützen damit eine nachhaltige Form der Landnutzung, die zur Regulierung der Wildbestände und zur Gesunderhaltung des Ökosystems Wald beiträgt. Anders als bei vielen Bio-Siegeln, die zwar Standards definieren, aber dennoch eine Form der landwirtschaftlichen Haltung bleiben, bietet Wildfleisch eine Qualität, die durch kein Label der Welt übertroffen werden kann: die der unberührten Natur.

Förster bei der Wildfleischausgabe an einem rustikalen Forsthaus mit Waldkulisse

Die Entscheidung für heimisches Wild ist somit ein klares Statement für Naturbelassenheit, Transparenz und einen unverfälschten Geschmack, der direkt aus dem Herzen unserer Region kommt.

Muss es immer Parmesan sein oder gibt es deutsche Hartkäse-Alternativen?

Wenn es um Hartkäse zum Reiben über Pasta oder zum Verfeinern von Gerichten geht, greifen die meisten fast automatisch zum italienischen Parmesan. Doch der Blick über den Tellerrand – oder besser gesagt, innerhalb der eigenen Landesgrenzen – lohnt sich. Deutschland hat eine reiche und oft unterschätzte Käsekultur, die beeindruckende Alternativen bietet. Es gibt tatsächlich 13 geschützte Ursprungsbezeichnungen (g.U.) für deutsche Käsesorten, ein Siegel, das höchste Qualität und traditionelle Herstellung in einer definierten Region garantiert.

Ein herausragendes Beispiel ist der Allgäuer Bergkäse g.U., ein würzig-nussiger Rohmilchkäse, der je nach Reifedauer eine beeindruckende geschmackliche Tiefe entwickelt und sich hervorragend als Parmesan-Ersatz eignet. Aber auch abseits der Alpen gibt es Schätze zu entdecken. Von der Nordseeküste kommt der Deichkäse, dessen salzige Note von der Meeresluft stammt und der Gerichten eine einzigartige Würze verleiht. Wer es kräftiger mag, findet im Harzer Käse eine proteinreiche und fettarme, wenn auch sehr intensive Alternative.

Die Entscheidung für einen deutschen Hartkäse ist mehr als nur eine kulinarische Entdeckung. Es ist ein aktiver Beitrag zur Förderung regionaler Käsereien und zur Wertschätzung handwerklicher Traditionen. Viele Hofkäsereien experimentieren zudem mit Milch von alten, regionalen Rinderrassen wie dem Murnau-Werdenfelser Rind, was zu einzigartigen Geschmacksprofilen führt, die man in keinem Supermarkt findet. Anstatt also blind zum italienischen Import zu greifen, fragen Sie beim nächsten Einkauf im Hofladen oder auf dem Wochenmarkt gezielt nach heimischen Hartkäse-Spezialitäten. Die Vielfalt wird Sie überraschen.

  • Allgäuer Bergkäse g.U. – würzig-nussig, aus Rohmilch, 4-18 Monate gereift
  • Deichkäse von der Nordseeküste – salzige Note durch Meeresluft
  • Harzer Käse – proteinreich, fettarm, intensiv im Geschmack
  • Alter Gouda aus deutschen Käsereien – karamellig-kristallin
  • Hofkäse-Spezialitäten aus Murnau-Werdenfelser Rind-Milch

Die kulinarische Spurensuche nach regionalen Produkten öffnet die Augen für die Vielfalt und Qualität, die direkt vor unserer Haustür liegt und nur darauf wartet, entdeckt zu werden.

Wie verfolgen Sie den Weg Ihres Essens vom Acker bis zum Teller lückenlos zurück?

Absolute Transparenz ist der Eckpfeiler echter Regionalität. Als Regional-Detektiv ist es Ihre Mission, die Lieferkette so kurz und nachvollziehbar wie möglich zu halten. Das erfordert etwas Initiative, aber die Belohnung ist die Gewissheit, genau zu wissen, was man isst und woher es kommt. Der direkteste Weg ist und bleibt der Einkauf ab Hof. Hier haben Sie die einmalige Chance, den Erzeugern direkt Fragen zu stellen: Wie wird gedüngt? Welches Futter bekommen die Tiere? Wo wird geschlachtet? Ein transparenter Landwirt wird diese Fragen gerne und offen beantworten.

Eine weitere, immer beliebter werdende Methode ist die Solidarische Landwirtschaft (SoLaWi). Hier finanzieren Mitglieder mit einem festen monatlichen Beitrag den Betrieb eines Hofes und erhalten im Gegenzug einen Anteil an der Ernte. Dieses Modell schafft eine extrem enge Bindung zwischen Erzeuger und Verbraucher und bietet maximale Transparenz, da man oft selbst auf dem Hof mithelfen oder ihn jederzeit besuchen kann. Man teilt nicht nur die Ernte, sondern auch das Risiko und die Verantwortung.

Für den digitalen Regional-Scout gibt es ebenfalls Werkzeuge. Plattformen wie das Open Food Network Deutschland schaffen digitale Marktplätze für regionale Erzeuger. Das Besondere: Die Plattform zeigt transparent alle Preisaufschläge und stellt die Menschen hinter den Produkten vor. Laut eigenen Angaben nutzen bereits über 17 Städte in Deutschland diese Möglichkeit, um vollständig nachvollziehbare, lokale Lebensmittelketten aufzubauen und zu unterstützen. Solche Initiativen sind ein starkes Zeichen gegen die Anonymität der globalisierten Lebensmittelindustrie.

Ihr Plan zur lückenlosen Rückverfolgung: Werden Sie zum Regional-Detektiv

  1. Kontaktpunkte identifizieren: Listen Sie alle potenziellen Quellen in Ihrer Nähe auf: Hofläden, Wochenmärkte, Metzger mit regionalem Bezug, SoLaWi-Initiativen.
  2. Bestehendes Inventar prüfen: Fragen Sie beim nächsten Einkauf gezielt nach der Herkunft. Woher kommt das Gemüse? Wer hat das Schwein aufgezogen und geschlachtet?
  3. Auf Kohärenz prüfen: Konfrontieren Sie die Antworten mit dem, was Sie sehen. Wirkt der Hof authentisch? Sind die Produkte saisonal? Ein Hofladen, der im Winter Erdbeeren verkauft, kauft wahrscheinlich zu.
  4. Authentizität bewerten: Sprechen Sie mit den Verkäufern. Eine leidenschaftliche Erklärung über die Aufzucht ist ein gutes Zeichen. Vage Antworten sind ein Warnsignal.
  5. Integrationsplan erstellen: Ersetzen Sie schrittweise Supermarkt-Produkte durch direkt bezogene Alternativen. Beginnen Sie mit Eiern, Kartoffeln oder Fleisch und erweitern Sie Ihr Repertoire.

Indem Sie diese Schritte befolgen, übernehmen Sie die Kontrolle und lassen sich nicht länger von leeren Marketingversprechen täuschen. Sie werden vom passiven Konsumenten zum aktiven Gestalter Ihrer Ernährung.

Warum schmeckt der Spargel im Mai besser und wie nutzen Sie das für neue Rezeptideen?

Saisonalität ist der engste Verbündete der Regionalität – und der beste Garant für Geschmack. Das perfekte Beispiel dafür ist der deutsche Spargel. Jeder weiß, dass die Spargelzeit ein kulinarisches Highlight ist, aber warum schmeckt der im Mai gestochene Spargel aus der Region so unvergleichlich viel besser als Importware im März? Die Antwort liegt in der Zeit und der Biochemie. Frischer Spargel enthält Zucker, der sich nach der Ernte schnell in Stärke umwandelt. Das führt zu einem holzigen Geschmack und einer faserigen Textur.

Hier spielt der Faktor Regionalität seine ganze Stärke aus. Untersuchungen zur Frische zeigen, dass bei Spargel aus der Region oft nur 1-2 Tage zwischen Ernte und Verkauf liegen. Importierter Spargel, beispielsweise aus Peru oder Griechenland, ist hingegen bis zu sieben Tage unterwegs. In dieser Zeit verliert er nicht nur an Geschmack und Zartheit, sondern auch wertvolle Vitamine. Der süßliche, nussige Geschmack, den wir am deutschen Spargel so lieben, ist also ein direktes Ergebnis seiner maximalen Frische.

Makroaufnahme frischer deutscher Spargelstangen mit Tautropfen im morgendlichen Sonnenlicht

Diese Erkenntnis sollte Ihre Küche inspirieren. Anstatt Spargel nur klassisch mit Sauce Hollandaise und Kartoffeln zu servieren, nutzen Sie die kurze Saison für kreative Experimente. Der zarte, süßliche Geschmack von ultra-frischem Spargel harmoniert wunderbar mit fruchtigen Noten. Probieren Sie doch mal einen Spargelsalat mit Erdbeeren und einer leichten Vinaigrette. Oder braten Sie grünen Spargel kurz in der Pfanne an und servieren ihn mit Ziegenkäse und Honig. Die Konzentration auf saisonale Spitzenprodukte zwingt uns, gewohnte Pfade zu verlassen und neue, aufregende Geschmackskombinationen zu entdecken.

Warum wird ein mageres Filet bei dieser Methode perfekt, eine Haxe aber eventuell zäh?

Das Wissen um die Herkunft und Qualität eines Produkts ist nur die halbe Miete. Um das volle Potenzial eines hochwertigen Stücks Fleisch vom Bauernhof auszuschöpfen, ist das Verständnis für die richtige Zubereitungsmethode unerlässlich. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen, und es erklärt sich, warum Omas Schmorbraten so zart war. Der Schlüssel liegt im Kollagen, dem Bindegewebe im Muskel.

Ein mageres Filet stammt aus einer Muskelpartie, die kaum beansprucht wird. Es hat daher wenig Bindegewebe und ist von Natur aus zart. Es benötigt nur eine kurze, heiße Garzeit (Kurzbraten), um perfekt zu sein. Würde man es stundenlang schmoren, würde es trocken und zäh werden. Eine Haxe oder eine Rinderbrust hingegen sind stark beanspruchte Muskeln mit einem sehr hohen Kollagenanteil. Bei kurzer, starker Hitze würde das Kollagen hart und das Fleisch ungenießbar zäh. Erst durch langes Garen bei niedriger, feuchter Hitze (Schmoren) wandelt sich das Kollagen in weiche Gelatine um, die das Fleisch saftig und butterzart macht.

Fleisch von Weidetieren hat mehr Bindegewebe und intramuskuläres Fett. Das macht es geschmackvoller, erfordert aber angepasste Gartechniken – ein Wissen, das in der modernen Küche oft verloren ging.

– Regina Schneider, Hofladenküche: Regional – saisonal – köstlich

Dieses traditionelle Wissen ist entscheidend, um die „Preis-Wertigkeit“ von regionalem Fleisch zu realisieren. Günstigere Stücke wie Brust oder Bug sind oft die geschmacksintensivsten, wenn man weiß, wie man sie zubereitet. Die moderne Küche, die auf schnelle Ergebnisse getrimmt ist, bevorzugt oft nur die teuren, einfach zuzubereitenden Edelteile. Wer sich aber auf die Kunst des Schmorens oder Niedrigtemperaturgarens einlässt, wird mit einem unvergleichlichen Geschmackserlebnis belohnt und kann das Tier „from nose to tail“ wertschätzen.

Fleischstücke und ihre idealen Garmethoden
Fleischstück Kollagengehalt Ideale Garmethode Temperatur Zeit
Filet Niedrig Kurz braten 180-220°C 3-5 Min
Haxe Sehr hoch Schmoren 140-160°C 2-3 Std
Brust Hoch Niedrigtemperatur 80-120°C 4-6 Std
Bug Mittel-hoch Schmoren/Braten 160-180°C 1,5-2 Std

Das Wichtigste in Kürze

  • „Regional“ im Supermarkt ist ein dehnbarer Begriff; echte Regionalität finden Sie durch direkte Nachfrage und bei Erzeugern mit transparenter Lieferkette.
  • Der höhere Preis für Fleisch vom Bauernhof ist oft durch bessere Qualität (weniger Wasserverlust, mehr Geschmack) und artgerechte Haltung gerechtfertigt – es ist seinen Preis wert.
  • Saisonale Produkte wie Spargel im Mai sind nicht nur eine Tradition, sondern ein Garant für maximalen Geschmack aufgrund kürzester Transportwege.

Warum passen Erdbeeren und Basilikum zusammen, obwohl es unlogisch klingt?

Die Konzentration auf regionale und saisonale Produkte befreit uns nicht nur von der Abhängigkeit von globalen Lieferketten, sie öffnet auch die Tür zu einer neuen Form der kulinarischen Kreativität: dem Food Pairing. Wenn das Angebot durch die Jahreszeit bestimmt wird, ist man gezwungen, über den Tellerrand zu blicken und Kombinationen zu wagen, die auf den ersten Blick unlogisch erscheinen, aber auf einer tieferen, aromatischen Ebene perfekt harmonieren.

Das klassische Beispiel ist die Kombination von Erdbeeren und Basilikum. Was seltsam klingt, ist geschmacklich eine Offenbarung. Beide teilen bestimmte Aromamoleküle, die sich gegenseitig ergänzen und verstärken. Die süße Fruchtigkeit der Erdbeere wird durch die leicht pfeffrige, anisartige Note des Basilikums auf ein neues Level gehoben. Ähnliches gilt für die Kombination von Spargel und Erdbeeren, die sich gemeinsame Fruchtsäuren teilen, oder die sommerliche Verbindung von Tomate und Pfirsich, bei der süße und Umami-Noten aufeinandertreffen.

Die Beschränkung auf das, was gerade wächst, ist also keine Einschränkung, sondern eine Einladung zum Experiment. SoLaWi-Mitglieder berichten häufig davon, dass die wöchentlich wechselnden Gemüsekisten sie zu neuen Entdeckungen zwingen. Eine Umfrage zeigte, dass 73% der Mitglieder dadurch neue Lieblingskombinationen entdeckten, die sie sonst nie ausprobiert hätten. Dies beweist, dass Kreativität oft aus der Notwendigkeit geboren wird. Anstatt das ganze Jahr über auf die gleichen Zutaten zurückzugreifen, fordert uns die saisonale Küche heraus, die Aromen unserer Region neu zu entdecken und zu kombinieren.

  • Mai/Juni: Spargel + Erdbeeren (gemeinsame Fruchtsäuren)
  • Juli: Tomate + Pfirsich (Umami trifft Süße)
  • August: Gurke + Melone (Frische-Moleküle)
  • September: Birne + Blauschimmelkäse (Süß-salzig Balance)
  • Oktober: Kürbis + Salbei (erdige Aromastoffe)

Sehen Sie Ihren nächsten Einkauf im Hofladen also nicht nur als Beschaffung von Lebensmitteln, sondern als Startpunkt für ein kulinarisches Abenteuer. Fragen Sie den Bauern, was gerade Saison hat, und lassen Sie sich inspirieren.

Jetzt, da Sie die Werkzeuge eines Regional-Detektivs besitzen, liegt es an Ihnen. Beginnen Sie noch heute damit, bewusster einzukaufen, die richtigen Fragen zu stellen und den wahren Wert der Produkte aus Ihrer Heimat zu entdecken und zu genießen.

Häufige Fragen zu Hofladen oder Supermarkt-Regionalregal: Woher kommt Ihr „regionales“ Essen wirklich?

Was garantiert das Regionalfenster wirklich?

Es zeigt Herkunftsregion, Verarbeitungsort und regionalen Anteil der Zutaten. Die Region kann aber ein ganzes Bundesland umfassen.

Wie funktioniert Solidarische Landwirtschaft (SoLaWi)?

Verbraucher finanzieren über regelmäßige Beiträge die Arbeit der Bauern und erhalten im Gegenzug die erzeugten Lebensmittel.

Welche Fragen sollte ich beim Hofladen stellen?

Fragen Sie nach Futtermitteln, Schlachtungsorganisation, Pflanzenschutzmitteln und ob alle Produkte selbst erzeugt oder zugekauft sind.

Geschrieben von Lena Arndt, Staatlich geprüfte Ökotrophologin (Ernährungswissenschaftlerin) mit Fokus auf Lebensmittelsicherheit und Nährstofferhalt. Expertin für Bio-Lebensmittel, Regionalität und schonende Zubereitungsverfahren.