
Der wahre Geschmack und Nährwert Ihres Gemüses hängt weniger vom Bio-Siegel ab als vom Respekt vor dem natürlichen Rhythmus der Jahreszeiten.
- Eine Winter-Tomate, selbst in Bio-Qualität, wird mit hohem Energieaufwand in Gewächshäusern gezogen und schmeckt wässrig, weil ihr die natürliche Sonnenreife fehlt.
- Regional gelagerte Produkte wie ein deutscher Apfel im April sind oft ökologischer als frisch importierte Ware aus Übersee.
Empfehlung: Vertrauen Sie dem Saisonkalender mehr als Werbeversprechen. Lernen Sie, die Zeichen echter Frische zu erkennen, um Geschmack, Nährwerte und eine gute Ökobilanz zu vereinen.
Sie stehen im Supermarkt, der Korb ist schon halb voll. Da sehen Sie sie: pralle, rote Bio-Tomaten, mitten im tiefsten Winter. Das Bio-Siegel verspricht Gutes, doch der Preis lässt Sie zögern. Sie geben nach, denn Sie wollen sich und Ihrer Familie etwas Gutes tun. Zu Hause dann die Enttäuschung: Die Tomate ist wässrig, fast geschmacklos. Eine teure Lektion, die viele von uns kennen. Man fragt sich, was man falsch macht. Man will ja bewusst einkaufen, auf Qualität und Umwelt achten, aber der Dschungel aus Siegeln und Marketing-Begriffen wie „regional“ ist verwirrend.
Als Bio-Bauer, der jeden Tag mit den Händen in der Erde arbeitet, sehe ich diese Verwirrung und den Frust. Die gängigen Ratschläge – „kaufen Sie regional“ oder „achten Sie auf Bio“ – sind gut gemeint, aber sie kratzen nur an der Oberfläche. Sie erklären nicht, warum ein gelagerter Apfel aus Deutschland im Frühling die bessere Wahl sein kann als ein frischer aus Neuseeland oder warum der Bio-Aufpreis bei manchen Gemüsesorten wichtiger ist als bei anderen. Die Industrie hat gelernt, uns den Anschein von Frische zu verkaufen, der mit dem echten Rhythmus der Natur oft wenig zu tun hat.
Aber was, wenn der Schlüssel zu echtem Geschmack und Nährwert nicht allein im Bio-Siegel liegt, sondern im tiefen Verständnis für die Jahreszeiten? Wenn es darum geht, die Entscheidungen zu treffen, die ein Bauer treffen würde, der im Einklang mit seinem Land lebt? Genau das ist der Weg, den ich Ihnen zeigen möchte. Es geht um mehr als nur darum, einen Saisonkalender auswendig zu lernen. Es geht darum, die Logik der Natur zu verstehen: den Einfluss von Lagerenergie, die Wahrheit hinter dem Vitaminverlust durch Transport und die geschmackliche Überlegenheit alter Sorten.
Dieser Artikel ist Ihr Blick hinter die Kulissen. Wir werden gemeinsam herausfinden, warum der deutsche Lagerapfel eine bessere Ökobilanz hat, bei welchen Produkten sich „Bio“ wirklich lohnt und wie Sie echte Regionalität erkennen. So werden Sie vom verunsicherten Konsumenten zum mündigen Genießer, der weiß, wo wahrer Wert und Geschmack zu finden sind.
Inhalt: Der Saisonkalender eines Bauern für echten Geschmack
- Warum ist der deutsche Lagerapfel im April ökologisch besser als der frische aus Neuseeland?
- Bei welchen Gemüsesorten lohnt sich der Bio-Aufpreis wegen Pestizidbelastung am meisten?
- Was unterscheidet die Ur-Karotte geschmacklich von der orangefarbenen Standardrübe?
- Warum enthält flugimportiertes Gemüse weniger Vitamine als regional gereiftes?
- Lohnt sich das Gemüse-Abo direkt vom Hof für einen 2-Personen-Haushalt?
- Wie viele Sekunden braucht Spinat im Vergleich zu Karottenwürfeln genau?
- Warum schmeckt der Spargel im Mai besser und wie nutzen Sie das für neue Rezeptideen?
- Hofladen oder Supermarkt-Regionalregal: Woher kommt Ihr „regionales“ Essen wirklich?
Warum ist der deutsche Lagerapfel im April ökologisch besser als der frische aus Neuseeland?
Es klingt paradox: Ein Apfel, der monatelang in Deutschland gelagert wurde, soll umweltfreundlicher sein als ein frisch geernteter aus Übersee? Ja, das ist er meistens. Der Grund liegt in einer einfachen, aber oft übersehenen Rechnung: die Gesamt-Ökobilanz. Der Transport eines Apfels per Schiff von Neuseeland nach Deutschland verursacht eine erhebliche Menge an CO₂. Auf meinem Hof ernten wir die Äpfel im Herbst, wenn sie perfekt reif sind. Danach kommen sie in ein sogenanntes CA-Lager (Controlled Atmosphere).
In diesen Lagern senken wir den Sauerstoffgehalt und erhöhen das Kohlendioxid, um den Reifeprozess der Äpfel stark zu verlangsamen – wie ein künstlicher Winterschlaf. Das verbraucht natürlich Energie, keine Frage. Doch dieser Energieaufwand ist deutlich geringer als die Umweltbelastung durch einen interkontinentalen Schiffstransport. Eine Studie des Instituts für Energie- und Umweltforschung Heidelberg bestätigt dies eindrücklich: Der deutsche Lagerapfel ist mit 0,4 kg CO₂ pro kg deutlich klimafreundlicher als der neuseeländische mit 0,8 kg. Der Importapfel hat also einen mehr als doppelt so hohen CO₂-Fußabdruck.
Diese Regel hat allerdings Grenzen. Ab etwa Juni/Juli kippt die Bilanz. Dann ist die Lagerung unserer heimischen Äpfel so lange und energieintensiv geworden, dass der Bio-Apfel aus der neuen Ernte der Südhalbkugel tatsächlich die bessere Wahl sein kann. Es geht also darum, den optimalen Zeitpunkt zu kennen und nicht pauschal zu urteilen. Bis in den späten Frühling hinein ist der Griff zum deutschen Lagerapfel aber fast immer die klügere Entscheidung für die Umwelt.
Es zeigt, dass „frisch“ nicht immer „besser“ bedeutet, wenn man das große Ganze betrachtet.
Bei welchen Gemüsesorten lohnt sich der Bio-Aufpreis wegen Pestizidbelastung am meisten?
Als Bio-Bauer arbeite ich ohne chemisch-synthetische Pestizide. Das ist mehr Arbeit, aber es schützt das Bodenleben und am Ende auch Sie. Doch ich verstehe, dass nicht jeder sich einen vollen Bio-Einkauf leisten kann. Die gute Nachricht ist: Sie müssen es auch nicht. Es gibt bestimmte Obst- und Gemüsesorten, bei denen der Griff zur Bio-Variante besonders wichtig ist, weil ihre konventionellen Gegenstücke oft stark belastet sind. Man spricht hier oft vom „Dreckigen Dutzend“.
In Deutschland zeigen die offiziellen Untersuchungen immer wieder klare Spitzenreiter bei der Pestizidbelastung. Ein erschreckendes Beispiel sind Kirschen. Laut aktuellen Daten des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) enthielten 89 % der untersuchten Kirschen aus konventionellem Anbau Rückstände von mehreren Pestiziden – teilweise bis zu 15 verschiedene Wirkstoffe auf einer einzigen Frucht. Hier ist der Bio-Aufpreis kein Luxus, sondern eine sinnvolle Investition in Ihre Gesundheit.
Andere Produkte sind ebenfalls auffällig. Wenn Sie Ihr Budget gezielt einsetzen möchten, konzentrieren Sie sich auf diese Kandidaten für einen Bio-Kauf:
- Kräuter: Insbesondere solche aus dem Ausland sind oft stark behandelt, um den langen Transport zu überstehen.
- Beerenobst: Ihre dünne Schale bietet kaum Schutz. Tiefgekühlte Brombeeren zeigten in Tests eine hohe Mehrfachbelastung.
- Bohnen mit Hülsen: Hier wurden wiederholt Überschreitungen der gesetzlichen Grenzwerte festgestellt.
- Exotische Früchte: Granatäpfel fallen ebenfalls häufig durch zu hohe Rückstandsmengen auf.
Im Umkehrschluss gibt es auch „saubere“ Sorten wie Zwiebeln, Spargel oder dicke Kohlsorten, bei denen die konventionelle Variante oft eine geringere Belastung aufweist. Eine strategische Auswahl hilft also, das Beste aus Ihrem Geld zu machen.
So können Sie gezielt dort in Bio-Qualität investieren, wo es den größten Unterschied für Ihre Gesundheit macht.
Was unterscheidet die Ur-Karotte geschmacklich von der orangefarbenen Standardrübe?
Wenn Sie bei mir auf dem Hof eine lila oder gelbe Karotte probieren, erleben Sie eine kleine Zeitreise. Was wir heute als „normale“ Karotte kennen – leuchtend orange, einheitlich in der Form – ist das Ergebnis jahrhundertelanger Züchtung. Das Ziel war nicht primär Geschmack, sondern Ertrag, Lagerfähigkeit und einheitliche Optik. Die orange Farbe kommt vom hohen Beta-Carotin-Gehalt, was natürlich gesund ist. Aber auf dem Weg dorthin haben wir eine unglaubliche Sortenvielfalt und Geschmackswelt verloren.
Ur-Karotten, oft violett, weiß oder gelb, schmecken anders. Sie sind meist intensiver, würziger, manchmal leicht nussig oder sogar pfeffrig. Die violette Farbe zum Beispiel kommt nicht von Beta-Carotin, sondern von Anthocyanen. Das sind dieselben gesunden Pflanzenfarbstoffe, die auch in Heidelbeeren oder Rotkohl stecken. Sie verleihen der Karotte einen erdigeren, leicht herben Geschmack, der eine wunderbare Tiefe in Gerichte bringt. Sie ist oft nicht ganz so süß wie die moderne orangefarbene Variante, dafür aber komplexer.
Dieser Unterschied zeigt ein Grundprinzip, das wir in der modernen Landwirtschaft oft vergessen haben: Vielfalt ist nicht nur schön, sondern auch schmackhaft. Alte Sorten sind oft weniger ertragreich und nicht so perfekt geformt. Deshalb sind sie aus den Supermärkten fast verschwunden. Aber sie sind ein Schatz, den wir wiederentdecken sollten.

Wenn Sie das nächste Mal auf einem Wochenmarkt eine dieser „komischen“ Karotten sehen, greifen Sie zu. Es ist nicht nur eine Karotte, es ist ein Stück lebendige Geschichte und ein Beweis dafür, dass die Natur mehr zu bieten hat als standardisierte Einheitlichkeit. Der Geschmack ist der beste Beweis dafür.
Es lohnt sich, die Augen offenzuhalten und die bunte Vielfalt der Natur zu probieren, anstatt immer nur zur gewohnten orangefarbenen Rübe zu greifen.
Warum enthält flugimportiertes Gemüse weniger Vitamine als regional gereiftes?
Die Antwort auf diese Frage liegt in einem entscheidenden Faktor: dem Reifegrad bei der Ernte. Gemüse und Obst, das für einen langen Transportweg per Schiff oder Flugzeug bestimmt ist, kann nicht voll ausgereift geerntet werden. Es würde den Transport nicht überstehen und matschig im Supermarkt ankommen. Stattdessen wird es „klimakterisch“ geerntet – also in einem Zustand, in dem es noch nachreifen kann. Die Tomate aus dem winterlichen Gewächshaus in Spanien oder Marokko wird oft noch grün gepflückt und rötet erst auf dem Weg zu uns.
Das Problem dabei ist: Den wichtigsten Teil ihrer Nährstoff- und Geschmacksbildung erlebt eine Pflanze in den letzten Tagen der Reifung an der Mutterpflanze. In dieser Phase produziert sie unter dem Einfluss von Sonnenlicht die meisten Vitamine, Mineralstoffe und Aromen. Eine nachgereifte Frucht wird zwar rot, aber sie kann diesen Prozess nicht nachholen. Ihr fehlt die „Kraft“ der Pflanze und des Bodens. Das ist der Grund, warum sie wässrig und fad schmeckt und auch weniger Nährstoffe enthält.
Je frischer das Obst und das Gemüse ist, umso mehr Vitamine und gesunde Inhaltsstoffe sind enthalten.
– Verbraucherzentrale, Saisonkalender-Ratgeber 2025
Lagerung und Transport tun ihr Übriges. Licht, Wärme und Zeit bauen Vitamine ab, insbesondere das empfindliche Vitamin C. Analysen der Verbraucherzentralen zeigen, dass bei Transport und einer nur siebentägigen Lagerung bis zu 50 % des Vitamin C verloren gehen können. Wenn ich hingegen eine Tomate auf meinem Feld in der Sommersonne voll ausreifen lasse und sie am selben Tag ernte und verkaufe, dann erhalten Sie das Maximum an Geschmack und Nährstoffen. Der Weg vom Feld auf Ihren Teller ist kurz, der Verlust minimal.
Echte Frische ist also nicht nur eine Frage des Datums, sondern vor allem eine Frage der Reife und des kurzen Weges.
Lohnt sich das Gemüse-Abo direkt vom Hof für einen 2-Personen-Haushalt?
Die Frage nach der Gemüsekiste oder dem -Abo, oft im Rahmen einer Solidarischen Landwirtschaft (SoLaWi), höre ich oft, gerade von kleineren Haushalten. Die Sorge ist meist: Ist das nicht zu viel Gemüse? Schaffe ich das alles zu verarbeiten? Meine ehrliche Antwort als Bauer ist: Ja, es lohnt sich, aber es erfordert ein kleines Umdenken in der Küchenplanung.
Ein Gemüse-Abo ist mehr als nur eine Lieferung von Lebensmitteln. Es ist eine Partnerschaft mit einem Hof. Sie bekommen nicht das, was Sie gerade im Supermarkt suchen, sondern das, was die Saison und der Acker gerade hergeben. Das zwingt Sie auf eine sanfte, aber kreative Weise, sich mit den Jahreszeiten zu beschäftigen. Im Frühling gibt es vielleicht viel Salat und Radieschen, im Herbst dominieren Kürbis und verschiedene Kohlsorten. Für einen 2-Personen-Haushalt bedeutet das, man lernt, Gemüse haltbar zu machen – durch Einlegen, Fermentieren oder Einfrieren – und Reste kreativ zu verwerten.
Der größte Vorteil ist die unschlagbare Frische und Qualität. Das Gemüse in Ihrer Kiste wurde oft erst am Tag zuvor geerntet. Es ist voll ausgereift und steckt voller Nährstoffe und Geschmack. Außerdem unterstützen Sie direkt einen landwirtschaftlichen Betrieb in Ihrer Nähe und fördern eine nachhaltige Anbauweise. Es ist die perfekte Kombination aus „bio“ und „regional“ – zwei Aspekte, die man nie gegeneinander ausspielen sollte. Ein Produkt, das beides vereint, ist für die Umwelt und für Sie immer die beste Wahl.

Viele Höfe bieten mittlerweile auch kleinere Kisten oder flexible Abo-Modelle an, die perfekt für zwei Personen passen. Oft kann man sich auch mit Nachbarn eine Kiste teilen. Es ist ein kleiner Schritt weg von der ständigen Verfügbarkeit des Supermarkts hin zu einer bewussteren, saisonalen und unglaublich geschmackvollen Ernährung.
Es ist eine Einladung, die Vielfalt der Jahreszeiten direkt vom Feld zu erleben und zu genießen.
Wie viele Sekunden braucht Spinat im Vergleich zu Karottenwürfeln genau?
Wer gutes, saisonales Gemüse vom Hof holt, hält einen kleinen Schatz in den Händen. Es wäre schade, diesen Schatz in der Küche zu ruinieren. Die richtige Zubereitung ist entscheidend, um die wertvollen Nährstoffe und den feinen Geschmack zu erhalten. Eine der häufigsten Fehler ist das Übergaren. Jedes Gemüse hat seine eigene, perfekte Garzeit – und die Unterschiede sind gewaltig. Ein zartes Blattgemüse wie Spinat ist in Minuten fertig, während eine harte Wurzel wie die Karotte deutlich länger braucht.
Als Bauer kenne ich mein Gemüse nicht nur vom Feld, sondern auch aus der Pfanne. Die schonendste Methode ist oft das Dämpfen. Dabei liegt das Gemüse nicht direkt im Wasser, sondern wird nur vom heißen Dampf gegart. So bleiben wasserlösliche Vitamine und Mineralstoffe bestmöglich erhalten. Blanchieren, also das kurze Kochen in Salzwasser und anschließende Abschrecken in Eiswasser, ist ideal, um die Farbe zu intensivieren und das Gemüse für das Einfrieren vorzubereiten. Kochen ist der Klassiker, aber hier sollte man so wenig Wasser wie möglich verwenden.
Um Ihnen ein Gefühl für die richtigen Zeiten zu geben, hier eine kleine Übersicht aus meiner Hofküche, die auf den Daten der Verbraucherzentralen basiert. Bedenken Sie, dass dies Richtwerte sind – je nach Größe der Stücke können die Zeiten variieren.
| Gemüse | Dämpfen | Kochen | Blanchieren |
|---|---|---|---|
| Spinat | 2-3 Min | 1-2 Min | 30-60 Sek |
| Karottenwürfel | 8-10 Min | 5-7 Min | 3-4 Min |
| Brokkoli | 5-7 Min | 3-5 Min | 2-3 Min |
| Kohlrabi | 10-12 Min | 8-10 Min | 4-5 Min |
Der beste Tipp ist aber: Probieren Sie! Das Gemüse sollte noch einen leichten Biss haben („al dente“). Dann haben Sie den perfekten Punkt zwischen Rohkost und zerkochtem Brei getroffen und holen das Maximum an Geschmack und gesunden Inhaltsstoffen heraus.
So ehren Sie das Produkt und tun sich selbst etwas Gutes.
Warum schmeckt der Spargel im Mai besser und wie nutzen Sie das für neue Rezeptideen?
Die Spargelzeit ist in Deutschland eine besondere Saison, fast ein kulinarischer Feiertag. Traditionell endet sie am 24. Juni, dem Johannistag. Das hat einen guten Grund: Die Pflanze braucht danach Zeit, um sich zu erholen und Kraft für das nächste Jahr zu sammeln. Und genau hier liegt auch das Geheimnis des Geschmacks: Ein Spargel, der im Mai auf dem Höhepunkt der Saison gestochen wird, schmeckt einfach am besten.
Im April kommt oft der erste Spargel aus beheizten Feldern oder von unter Folientunneln. Er stillt die erste Sehnsucht, hat aber noch nicht die volle Kraft. Im Mai hingegen wächst der Spargel unter idealen Bedingungen im Freiland. Die Tage sind lang, die Sonne wärmt den Boden und die Pflanze kann aus dem Vollen schöpfen. Das Ergebnis ist ein Spargel, der nicht nur zart, sondern auch unglaublich aromatisch ist – leicht nussig, mit einer feinen Süße. Es ist ein Geschmack, den importierter Spargel oder zu früh geernteter nie erreichen kann. Nicht umsonst stammen laut Angaben der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung 70 % des in Deutschland verkauften Spargels aus heimischem Anbau. Wir wissen eben, was gut ist.
Nutzen Sie diese kurze, aber intensive Zeit! Der klassische Spargel mit Sauce Hollandaise und Kartoffeln ist wunderbar, aber der intensive Geschmack des Mai-Spargels schreit nach neuen Ideen. Probieren Sie ihn doch mal ganz anders:
- Roh mariniert: Den Spargel mit einem Sparschäler in dünne Streifen hobeln und mit einer Vinaigrette aus Olivenöl, Zitronensaft, Salz, Pfeffer und etwas Parmesan anmachen. Eine frische, knackige Vorspeise.
- Gegrillt: Grünen Spargel mit etwas Öl bestreichen, salzen und direkt auf den heißen Grill legen, bis er leichte Röstspuren hat. Ein Traum zu jedem Grillfest.
- Im Risotto: Spargel in Stücke schneiden und die letzten 10 Minuten in einem cremigen Risotto mitgaren. Die Spitzen geben Sie erst ganz zum Schluss dazu.
Die besondere Qualität des Saisonhöhepunktes lädt zum Experimentieren ein. Seien Sie mutig und lassen Sie den Eigengeschmack des Spargels die Hauptrolle spielen.
Es ist die beste Zeit, um Klassiker neu zu interpretieren und den wahren Geschmack dieses einzigartigen Gemüses zu zelebrieren.
Das Wichtigste in Kürze
- Echte Saisonalität schlägt jedes Siegel: Ein Produkt, das zur richtigen Zeit am richtigen Ort wächst, bietet den besten Geschmack und die meisten Nährstoffe.
- „Frisch“ ist nicht immer ökologischer: Ein regional gelagerter Apfel kann eine bessere CO₂-Bilanz haben als ein frisch importierter aus Übersee.
- Der Begriff „regional“ ist nicht geschützt: Nur der direkte Kauf beim Erzeuger oder auf dem Wochenmarkt garantiert wirkliche Nähe und Transparenz.
Hofladen oder Supermarkt-Regionalregal: Woher kommt Ihr „regionales“ Essen wirklich?
Sie haben es geschafft. Sie haben den Saisonkalender im Kopf, wissen, wann sich Bio lohnt und warum die Ur-Karotte so gut schmeckt. Nun stehen Sie vor der letzten Hürde: dem Ort des Einkaufs. Hier lockt das Supermarkt-Regal mit dem Schild „Aus unserer Region“, dort der kleine Hofladen am Dorfrand. Doch was bedeutet „regional“ eigentlich?
Die ernüchternde Wahrheit ist: Der Begriff „regional“ ist in Deutschland gesetzlich nicht geschützt. Ein großer Lebensmittelkonzern kann Äpfel aus dem ganzen Bundesland unter diesem Label verkaufen. Es kann bedeuten, dass das Produkt aus einem Umkreis von 50 Kilometern kommt – oder eben aus 500. Die einzige verlässliche Angabe bei Obst und Gemüse ist das Herkunftsland, das verpflichtend deklariert werden muss. Regionale Kennzeichnungen sind freiwillig und ihre Definition legt der Anbieter selbst fest.
Der Hofladen oder der Stand auf dem Wochenmarkt spielen in einer anderen Liga. Hier kaufen Sie direkt beim Erzeuger. Sie können mich fragen, auf welchem Feld der Salat gewachsen ist und wann die Kartoffeln geerntet wurden. Das ist eine Transparenz, die Ihnen kein Supermarkt der Welt bieten kann. Hier ist „regional“ kein Marketing-Konzept, sondern gelebte Realität. Sie unterstützen nicht nur meine Familie und meinen Betrieb, sondern die gesamte lokale Wirtschaft und sorgen dafür, dass unsere Kulturlandschaft erhalten bleibt.
Natürlich ist der Supermarkt praktisch und oft günstiger. Aber wenn Sie Wert auf echte Nähe, maximale Frische und ein ehrliches Produkt legen, führt kein Weg am direkten Einkauf vorbei. Es ist die letzte, entscheidende Meile auf dem Weg zu wirklich gutem Essen.
Ihr Plan für den Regional-Check
- Kontaktpunkte identifizieren: Wo kaufen Sie „regionale“ Produkte? Listen Sie Supermärkte, Hofläden und Wochenmärkte in Ihrer Umgebung auf.
- Herkunft prüfen: Schauen Sie bei Ihrem nächsten Einkauf im Supermarkt genau auf das Etikett. Welches Land wird als Herkunft angegeben? Passt das zu Ihrer Vorstellung von „regional“?
- Werte abgleichen: Fragen Sie im Hofladen oder auf dem Markt nach den Anbaumethoden. Entspricht das Ihren Werten von Nachhaltigkeit und Qualität?
- Echtheit bewerten: Bietet der Hofladen nur saisonale Produkte an oder auch Paprika im Winter? Ein saisonales Angebot ist ein starkes Zeichen für echte Regionalität.
- Einkauf anpassen: Planen Sie einmal pro Woche einen Besuch auf dem Markt oder im Hofladen fest ein. Ersetzen Sie schrittweise Supermarkt-Produkte durch direkt gekaufte Ware.
Der nächste Schritt? Besuchen Sie den nächsten Wochenmarkt oder Hofladen. Sprechen Sie mit uns Bauern. Fragen Sie uns, was gerade Saison hat. Das ist der Beginn einer ehrlichen und geschmackvollen Beziehung zu Ihrem Essen.
Häufige Fragen zu regionalem und saisonalem Einkauf
Was bedeutet ‚regional‘ rechtlich in Deutschland?
Der Begriff ‚regional‘ ist gesetzlich nicht geschützt und kann eine sehr dehnbare Bedeutung haben, die von einem lokalen Umkreis bis hin zu ganz Deutschland reichen kann. Echte Sicherheit bietet nur der direkte Kontakt zum Erzeuger.
Wie erkenne ich echte regionale Produkte?
Im Gegensatz zu vielen anderen Lebensmitteln muss bei Obst und Gemüse das Herkunftsland verpflichtend angegeben werden. Freiwillige regionale Kennzeichnungen wie Fenster oder Siegel sind nicht standardisiert. Die sicherste Methode ist, auf Wochenmärkten oder in Hofläden zu kaufen, wo Sie direkt mit dem Produzenten sprechen können.
Ist Bio automatisch auch regional?
Nein, nicht unbedingt. Bio-Produkte können ebenfalls aus der ganzen Welt importiert werden. Allerdings ist der Anteil an heimischer Ware bei Bio oft höher. Während zum Beispiel 57 Prozent der konventionellen Äpfel in Deutschland Importware sind, sind es bei Bio-Äpfeln nur 50 Prozent. Bei Paprika ist der Unterschied noch deutlicher.