Veröffentlicht am März 11, 2024

Dampfgaren ist keine bloße Garmethode, sondern eine Präzisionstechnologie, die den Eigengeschmack von Lebensmitteln durch den Schutz der Zellstruktur maximiert.

  • Optimaler Erhalt hitzeempfindlicher Vitamine und sekundärer Pflanzenstoffe wie Sulforaphan.
  • Keine Geschmacksübertragung beim gleichzeitigen Zubereiten ganzer Menüs auf mehreren Ebenen.
  • Schonendes Regenerieren von Speisen ohne Austrocknen, qualitativ der Mikrowelle überlegen.

Empfehlung: Achten Sie auf die Wasserhärte an Ihrem Wohnort. Regelmäßiges Entkalken ist der entscheidende Faktor, um die Leistungsfähigkeit und Lebensdauer Ihres hochwertigen Geräts langfristig sicherzustellen.

Jeder kennt das: Brokkoli, der nach dem Kochen im Wasserbad blass und wässrig schmeckt, Karotten, die ihre Süße verloren haben. Die gängige Lösung ist oft ein großzügiger Griff zum Salzstreuer, um dem faden Ergebnis wieder Leben einzuhauchen. Viele glauben, gedämpftes Essen sei per se langweilig, doch das Gegenteil ist der Fall. Das Geheimnis eines intensiven, natürlichen Geschmacks liegt nicht in der Zugabe von Gewürzen, sondern in der Methode der Wärmezufuhr. Die landläufige Meinung, Dampfgaren sei einfach nur eine „sanftere“ Art des Kochens, greift zu kurz und ignoriert die dahinterstehende Physik und Zellbiologie.

Was wäre, wenn die wahre Ursache für Geschmacksverlust nicht das Garen selbst, sondern der direkte Kontakt mit kochendem Wasser ist? Der entscheidende Unterschied liegt im ausbleibenden osmotischen Druck. Während kochendes Wasser Aromen und Nährstoffe regelrecht aus den Zellwänden „herauswäscht“, umhüllt heißer Dampf das Gargut und gart es, ohne dessen molekulare Integrität anzugreifen. Moderne Dampfgarer, insbesondere Kombigeräte mit Backofenfunktionen, sind keine simplen Töpfe, sondern hochpräzise Instrumente, die Temperatur und Feuchtigkeit exakt steuern.

Dieser Artikel erklärt Ihnen als kompetenter Berater die technologischen und wissenschaftlichen Hintergründe. Wir vergleichen die Verfahren, zeigen Ihnen, wie Sie die Technik für perfekte Ergebnisse nutzen und klären, warum Ihr Gerät mehr mit einem Laborinstrument als mit einem Kochtopf gemeinsam hat. Sie werden verstehen, warum Sie am Ende nicht nur gesünder, sondern vor allem geschmacksintensiver essen – und das mit deutlich weniger Salz.

Um die Vorteile und Funktionsweisen dieser Technologie vollständig zu verstehen, haben wir diesen Ratgeber strukturiert. Er führt Sie von den grundlegenden Unterschieden zu anderen Geräten über die praktischen Anwendungen im Alltag bis hin zu den wissenschaftlichen Details, die den Qualitätsunterschied ausmachen.

Was ist der Unterschied zwischen einem Dampfgarer und einem Schnellkochtopf?

Als technisch versierter Koch stehen Sie vor der Wahl zwischen Effizienz und Präzision. Der Dampfgarer und der Schnellkochtopf repräsentieren zwei grundlegend verschiedene Philosophien des Garens. Während der Schnellkochtopf auf Geschwindigkeit durch hohen Druck und Temperaturen von bis zu 120°C setzt, arbeitet ein Dampfgarer bei normalem Atmosphärendruck und einer konstanten Temperatur von exakt 100°C. Diese niedrigere Temperatur ist der Schlüssel zum Erhalt hitzeempfindlicher Vitamine und feiner Aromastrukturen.

Der Schnellkochtopf erzwingt das Garen durch extreme Bedingungen, was zu einem höheren Nährstoffverlust führen kann und die Zellstrukturen des Garguts stärker beansprucht. Der Dampfgarer hingegen nutzt die physikalische Eigenschaft des Dampfes, Wärme sehr gleichmäßig und schonend zu übertragen. Das schützt die Zellwandintegrität von Gemüse und Fisch, was zu einer knackigeren Textur und intensiveren Farbe führt. Die Entscheidung zwischen den beiden Geräten ist also eine Entscheidung zwischen maximaler Zeitersparnis und maximaler Qualität des Endergebnisses.

Diese technischen Unterschiede führen zu sehr spezifischen Anwendungsbereichen, wie die folgende Gegenüberstellung zeigt.

Dampfgarer vs. Schnellkochtopf – Technische Unterschiede
Eigenschaft Dampfgarer Schnellkochtopf
Arbeitstemperatur 100°C bei Atmosphärendruck Bis zu 120°C durch Überdruck
Garzeitmethode Schonend, länger Schnell durch hohen Druck
Nährstofferhalt Optimal bei hitzeempfindlichen Vitaminen Höherer Verlust durch extreme Hitze
Geschmacksübertragung Keine zwischen verschiedenen Speisen Möglich durch Druckausgleich
Energieverbrauch ca. 2,2 kW Variabel, meist höher

Die Wahl hängt also klar vom Ziel ab. Wie das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten feststellt, ist der Dampfgarer die überlegene Wahl für Aufgaben, bei denen Qualität und Automatisierung im Vordergrund stehen: Zum Dämpfen von Gemüse, Reis, Hülsenfrüchten ist der Dampfgarer eine gute Wahl – die Zubereitung ist mengenunabhängig und rationell, das Gerät steuert den Garprozess automatisch. Er ist das Instrument für den bewussten Genießer, nicht für den gehetzten Koch.

Wie garen Sie Fisch, Reis und Gemüse gleichzeitig, ohne dass alles nach Fisch schmeckt?

Eines der beeindruckendsten Merkmale eines Dampfgarers ist seine Fähigkeit, ein komplettes Menü in einem einzigen Garvorgang zuzubereiten, ohne dass eine Geschmacksübertragung stattfindet. Das Gemüse behält sein erdiges Aroma, der Reis seinen dezenten Duft und der Fisch seinen feinen Eigengeschmack. Dies ist kein Marketingversprechen, sondern basiert auf einem einfachen physikalischen Prinzip: Reiner Wasserdampf ist ein schlechter Träger für Aromamoleküle. Die großen, meist fettlöslichen Moleküle, die für den Geschmack von Fisch oder Kräutern verantwortlich sind, sind nicht flüchtig genug, um sich im Wasserdampf zu verteilen und auf andere Lebensmittel überzugehen. Im Gegensatz dazu würde in einem gemeinsamen Wasserbad eine direkte Vermischung stattfinden.

Diese Eigenschaft macht den Dampfgarer zu einem hocheffizienten Werkzeug in der modernen Küche. Sie können auf mehreren Ebenen gleichzeitig arbeiten und sparen so Zeit und Energie. Die strategische Anordnung ist dabei entscheidend: Lebensmittel mit der längsten Garzeit, wie zum Beispiel Kartoffeln oder Vollkornreis, kommen auf die unterste Ebene. Nach einer gewissen Zeit schieben Sie dann die Ebenen mit Gemüse und Fisch darüber ein, die eine kürzere Garzeit benötigen. Moderne Geräte unterstützen Sie dabei oft mit intelligenten Programmen, die die perfekten Zeitpunkte für das Hinzufügen der einzelnen Komponenten vorgeben.

Mehrstöckiger Dampfgarer mit Fisch, Reis und Gemüse auf verschiedenen Ebenen

Die Abbildung zeigt idealtypisch die saubere Trennung der Komponenten. Für ein perfektes Ergebnis kombinieren Sie gelochte und ungelochte Garbehälter. Ein gelochter Behälter für Gemüse lässt den Dampf optimal zirkulieren, während Fischfilet in einem ungelochten Behälter im eigenen Saft gart, der wiederum aufgefangen und als Basis für eine leichte Sauce verwendet werden kann. Diese intelligente Menüplanung verwandelt das Kochen von einer Abfolge von Arbeitsschritten in einen einzigen, parallelisierten Prozess.

Warum ist Aufwärmen im Dampfgarer qualitativ jeder Mikrowelle überlegen?

Das Aufwärmen von Speisen vom Vortag ist oft enttäuschend. Die Mikrowelle liefert häufig ein ungleichmäßiges Ergebnis: außen kochend heiß, innen noch kalt, das Fleisch zäh, die Nudeln ausgetrocknet. Technisch spricht man hier nicht von Aufwärmen, sondern von „Regenerieren“, und genau hier zeigt der Dampfgarer seine Klasse. Der Unterschied liegt in der Art der Energieübertragung. Eine Mikrowelle versetzt die Wassermoleküle im Essen durch aggressive Mikrowellenstrahlung in heftige Schwingung. Dies erzeugt unkontrollierte Hitzeinseln, sogenannte „Hot Spots“, und lässt einen erheblichen Teil der Feuchtigkeit verdampfen.

Ein Dampfgarer hingegen verfolgt einen komplett anderen Ansatz. Er hüllt das Tellergericht in eine Atmosphäre aus 100 % gesättigtem Dampf. Diese feuchte Hitze überträgt sich sanft und absolut gleichmäßig auf die Speisen. Es findet keine zusätzliche Austrocknung statt; im Gegenteil, die Feuchtigkeit des Dampfes verhindert, dass das Gericht an Saftigkeit verliert. Das Ergebnis ist ein Essen, das schmeckt wie frisch gekocht. Studien des Bayerischen Staatsministeriums belegen, dass beim Regenerieren im Dampfgarer ein nahezu 100%iger Feuchtigkeitserhalt erzielt wird, während die Mikrowelle Verluste von 40-60% verursachen kann.

Dieser Qualitätsunterschied ist besonders bei empfindlichen Speisen wie Fisch, Risotto oder Pasta eklatant. Wo die Mikrowelle Texturen zerstört, stellt der Dampfgarer sie wieder her. Wie Experten für Haushaltstechnik bestätigen, sorgt der Dampfgarer für gleichmäßiges Auftauen und Erwärmen, ohne dass Tellergerichte austrocknen. Er ist somit nicht nur ein Gargerät, sondern auch ein hochwertiges Regenerationssystem, das die Qualität Ihrer zubereiteten Speisen bewahrt.

Wie nutzen Sie das Gerät für Vakuumgaren ohne Wasserbad?

Das Sous-vide-Garen, also das Vakuumgaren bei niedrigen, präzise kontrollierten Temperaturen, galt lange als eine Domäne der Spitzengastronomie. Es erfordert ein exaktes Temperaturmanagement, das mit einem normalen Kochtopf kaum zu realisieren ist. Kombi-Dampfgarer und hochwertige Dampfgarer mit Sous-vide-Funktion bringen diese Präzisionstechnologie nun in die private Küche und machen ein separates Wasserbad überflüssig. Der Garraum des Dampfgarers wird dabei zum perfekt temperierten Klimaschrank.

Der Prozess ist denkbar einfach und sauber: Das Lebensmittel, sei es ein Steak, ein Lachsfilet oder Spargel, wird zusammen mit Marinaden oder Kräutern in einem Beutel vakuumiert. Anschließend wird es im Dampfgarer bei einer konstanten, niedrigen Temperatur (typischerweise zwischen 50 °C und 95 °C) über einen längeren Zeitraum gegart. Der Vorteil: Da nichts entweichen kann, bleiben alle Aromen und Säfte vollständig im Gargut erhalten. Vitamine und Nährstoffe werden maximal geschont. Die große Stärke moderner Geräte liegt in ihrer Fähigkeit, die Temperatur über Stunden exakt zu halten, wie auch Siemens Hausgeräte betont:

Sous-vide ist eine Garmethode, bei der Lebensmittel vakuumiert und bei niedrigen Temperaturen zwischen 50 °C und 95 °C mithilfe von Dampf langsam gegart werden. Dabei bleiben Nährstoffe und Vitamine erhalten, und die natürlichen Aromen des Gerichts werden intensiviert. Siemens Kombibacköfen und Dampfgarer mit Sous-vide Funktion weisen eine hohe Präzision der Temperaturkurve auf.

– Siemens Hausgeräte, Dampfgarer & Dampfbackofen Produktinformation

Das Ergebnis ist eine unvergleichliche Textur und Saftigkeit. Ein bei 56 °C gegartes Rinderfilet ist von Rand zu Rand perfekt medium-rare, ohne grauen Kochrand. Gemüse behält seinen Biss und seine leuchtende Farbe. Der Dampfgarer dient hier als hochpräziser Wärmeüberträger, der die exakten Bedingungen schafft, die für die perfekte Umwandlung der Proteine und Zellstrukturen erforderlich sind, und macht das umständliche Hantieren mit einem Wasserbad überflüssig.

Warum ist die Wasserhärte entscheidend für die Lebensdauer Ihres teuren Geräts?

Ein hochwertiger Dampfgarer ist eine Investition in kulinarische Qualität. Damit diese Investition langfristig Freude bereitet, ist ein technischer Aspekt von zentraler Bedeutung, der oft übersehen wird: die Wasserhärte. Hartes Wasser enthält hohe Konzentrationen an gelöstem Calcium- und Magnesiumcarbonat. Beim Erhitzen fällt dieser Kalk aus und lagert sich auf den Heizelementen und in den Leitungen des Dampferzeugers ab. Diese Kalkschicht wirkt wie eine Isolierung, die die Effizienz der Wärmeübertragung drastisch reduziert. Das Gerät benötigt mehr Energie und Zeit, um Dampf zu erzeugen, und wird stärker belastet.

Langfristig führen massive Kalkablagerungen unweigerlich zu Funktionsstörungen und können die Lebensdauer Ihres teuren Geräts erheblich verkürzen. Die Wasserhärte ist in Deutschland regional sehr unterschiedlich. Während Städte wie Hamburg sehr weiches Wasser haben, zeigen Daten, dass die Wasserhärte von 3°dH in Hamburg bis über 20°dH in München variieren kann. Aus diesem Grund fordern moderne Dampfgarer Sie auf, die lokale Wasserhärte bei der Ersteinrichtung einzugeben. Basierend auf diesem Wert berechnet das Gerät die optimalen Entkalkungsintervalle und erinnert Sie rechtzeitig daran.

Die regelmäßige und sachgemäße Entkalkung ist daher keine lästige Pflicht, sondern die wichtigste Wartungsmaßnahme zur Sicherung von Funktion und Wert Ihres Geräts. Sie stellen damit sicher, dass die Präzisionstechnik im Inneren über viele Jahre hinweg zuverlässig arbeiten kann.

Ihr Aktionsplan zur Maximierung der Gerätelebensdauer

  1. Wasserhärte ermitteln: Fragen Sie die exakte Wasserhärte in Grad deutscher Härte (°dH) bei Ihrem lokalen Wasserversorger an oder nutzen Sie Teststreifen. Programmieren Sie diesen Wert im Menü Ihres Dampfgarers.
  2. Entkalkungsintervall beachten: Führen Sie den Entkalkungsvorgang immer dann durch, wenn das Gerät Sie dazu auffordert. Ignorieren Sie diese Aufforderung nicht, auch wenn das Gerät noch funktioniert.
  3. Geeignetes Mittel verwenden: Nutzen Sie ausschließlich die vom Gerätehersteller empfohlenen Entkalkungsmittel. Hausmittel wie Essigessenz können Dichtungen und empfindliche Bauteile angreifen.
  4. Regelmäßige Reinigung: Wischen Sie den Garraum nach jeder Benutzung mit einem weichen Tuch trocken, um Wasserflecken und leichte Kalkrückstände zu entfernen. Reinigen Sie den Wassertank regelmäßig.
  5. Dichtungen prüfen: Kontrollieren Sie gelegentlich die Türdichtung auf Risse oder Ablagerungen. Eine intakte Dichtung ist entscheidend für die Effizienz des Dampferzeugungsprozesses.

Dämpfen oder Kochen: Welches Verfahren rettet mehr Vitalstoffe im Brokkoli?

Brokkoli ist ein Paradebeispiel für ein Lebensmittel, dessen gesundheitlicher Wert massiv von der Zubereitungsart abhängt. Er ist reich an Vitamin C und enthält wertvolle sekundäre Pflanzenstoffe wie Sulforaphan, denen krebspräventive Eigenschaften zugeschrieben werden. Beide Stoffe sind jedoch äußerst empfindlich. Vitamin C ist wasserlöslich und hitzeempfindlich, Sulforaphan wird durch zu hohe Temperaturen zerstört. Hier zeigt sich der fundamentale Vorteil des Dämpfens gegenüber dem Kochen im Wasserbad.

Beim Kochen wird der Brokkoli in sprudelndes Wasser getaucht. Dabei passiert zweierlei: Erstens werden die wasserlöslichen Vitamine und Mineralstoffe direkt ins Kochwasser „ausgewaschen“. Zweitens sorgt die aggressive Hitze für den Abbau empfindlicher Verbindungen. Studien zeigen, dass beim Kochen ein Verlust von bis zu 60% des Vitamin C auftreten kann. Beim Dämpfen hingegen umhüllt der heiße Dampf den Brokkoli, ohne ihn direkt auszulaugen. Die Wärme wird schonender übertragen, und die Verluste an Vitamin C liegen oft bei unter 10%. Das Ergebnis ist nicht nur gesünder, sondern auch sichtbar: Gedämpfter Brokkoli behält seine leuchtend grüne Farbe, während gekochter Brokkoli oft einen unansehnlichen, olivgrünen Ton annimmt.

Leuchtend grüner Brokkoli mit sichtbarem Dampf und Vitaminsymbolen

Noch entscheidender ist der Effekt auf das Sulforaphan. Dieser wertvolle Inhaltsstoff entsteht erst, wenn beim Schneiden des Brokkolis Zellwände aufbrechen und ein Enzym (Myrosinase) mit einer Vorstufe (Glucoraphanin) in Kontakt kommt. Zu hohe Hitze zerstört dieses Enzym jedoch, bevor es seine Arbeit tun kann. Wie Analysen zeigen, ist kurzes Dämpfen die optimale Methode, um die Aktivität des Enzyms und damit die Bildung und den Erhalt von Sulforaphan zu maximieren. Wer Brokkoli kocht, zerstört also nicht nur Vitamine, sondern auch einen seiner wichtigsten gesundheitlichen Wirkstoffe.

Welche Temperatur darf der Sud maximal haben, damit das Eiweiß im Fisch nicht gerinnt?

Ein perfekt gegartes Fischfilet ist zart, saftig und zerfällt auf der Zunge. Ein überkochtes Filet ist trocken, faserig und eine kulinarische Enttäuschung. Der schmale Grat zwischen diesen beiden Zuständen wird durch einen einzigen Faktor bestimmt: die Temperatur. Fischprotein ist extrem empfindlich. Ab einer Kerntemperatur von etwa 60-65°C beginnt das Eiweiß stark zu denaturieren, es zieht sich zusammen und presst wertvollen Zellsaft aus – der Fisch wird trocken. Das Ziel ist es also, den Fisch so zu garen, dass er die optimale Kerntemperatur erreicht, aber nicht überschreitet.

Das Pochieren, also das Garen in heißer, aber nicht kochender Flüssigkeit, ist eine klassische Methode hierfür. Eine offizielle Empfehlung der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft besagt: Fisch pochieren bei 78 °C gelingt sehr einfach. Diese Temperatur liegt weit unter dem Siedepunkt und sorgt für eine sanfte, kontrollierte Wärmeübertragung. Ein Dampfgarer mit Temperatureinstellung ermöglicht es, diese Präzision auf die Spitze zu treiben. Sie können die Garraumtemperatur exakt einstellen und so sicherstellen, dass das Gargut niemals einer zu hohen Hitze ausgesetzt wird. Das Garen im Dampf bei 80-85°C ist eine exzellente Methode für saftigen Fisch.

Für den technik-affinen Koch, der absolute Kontrolle anstrebt, ist die Orientierung an der Ziel-Kerntemperatur des Fisches der Königsweg. Ein Bratenthermometer in Verbindung mit der präzisen Steuerung des Dampfgarers liefert reproduzierbar perfekte Ergebnisse.

Die folgende Tabelle, basierend auf Praxiserfahrungen, gibt Ihnen verlässliche Richtwerte für die Zubereitung beliebter Fischsorten im Dampfgarer.

Optimale Gartemperaturen für beliebte Fischsorten
Fischart Zieltemperatur Konsistenz Garzeit bei 100°C Dampf
Lachs 52°C Glasig/Medium-Rare 8-10 Min
Kabeljau/Dorsch 58°C Fest, aber saftig 10-12 Min
Forelle 62°C Durchgegart 12-15 Min
Zander 55°C Zart, flockig 8-10 Min

Das Einhalten dieser Temperaturen ist der technische Schlüssel, um die Proteinstruktur zu schonen und ein Austrocknen zu verhindern. Der Dampfgarer agiert hierbei als verlässliches Laborgerät für Ihre Küche.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Integrität der Zellwände bleibt beim Dampfgaren erhalten, was Aromen und Nährstoffe im Lebensmittel konzentriert und den Salzbedarf reduziert.
  • Niedrige, präzise Temperaturen unter 100°C sind der Schlüssel zum Erhalt hitzeempfindlicher Vitalstoffe wie Vitamin C und Sulforaphan in Gemüse.
  • Die Wasserhärte ist der kritischste Faktor für die Lebensdauer und Effizienz Ihres Geräts; regelmäßiges Entkalken ist unerlässlich.

Lohnt sich das Garen bei 80 Grad für 12 Stunden im Vergleich zum Schnellkochtopf?

Auf den ersten Blick wirkt der Vergleich absurd: 12 Stunden Niedrigtemperaturgaren gegen 45 Minuten im Schnellkochtopf. Doch hier prallen nicht nur zwei Zeitmodelle, sondern zwei völlig unterschiedliche kulinarische Welten aufeinander. Es ist die ultimative Gegenüberstellung von Effizienz und Perfektion. Der Schnellkochtopf nutzt hohen Druck und Hitze, um das Bindegewebe in einem Schmorstück schnell zu zersetzen. Das Ergebnis ist weich, aber der Prozess ist brachial. Die hohen Temperaturen führen zu einem stärkeren Flüssigkeitsverlust und einer weniger nuancierten Geschmacksentwicklung.

Das Garen bei niedrigen Temperaturen, zum Beispiel bei 80°C im Dampfgarer (oft als „Niedrigtemperaturgaren“ oder im Rahmen von Sous-vide), nutzt hingegen einen biochemischen Prozess. Bei Temperaturen zwischen 60-80°C werden fleischeigene Enzyme, die sogenannten Kollagenasen, aktiviert. Diese Enzyme arbeiten langsam, aber äußerst effektiv: Sie wandeln das zähe Bindegewebe (Kollagen) nicht einfach nur um, sondern verwandeln es in zartschmelzende Gelatine. Gleichzeitig bleiben die Zellwände der Muskelfasern weitgehend intakt, sodass kaum Saft austritt. Das Fleisch wird nicht nur weich, sondern butterzart und unvergleichlich saftig.

Der Eigengeschmack des Fleisches wird dabei intensiviert, anstatt von Röstaromen überdeckt zu werden. Trotz der langen Garzeit ist der Energieverbrauch oft erstaunlich effizient, da das Gerät nur eine niedrige Temperatur halten muss. Vor allem aber bietet diese Methode eine unschlagbare Planbarkeit: Ob das Gericht 11 oder 13 Stunden im Ofen bleibt, macht für die Qualität kaum einen Unterschied. Ein Übergaren ist praktisch ausgeschlossen. Die Entscheidung ist also keine Frage des „Lohnens“, sondern eine des Anspruchs. Es ist die Wahl zwischen einem schnell zubereiteten, guten Gericht und einem perfekt zubereiteten, unvergesslichen Erlebnis.

Die Auseinandersetzung mit der Frage, ob sich das Garen bei 80 Grad für 12 Stunden lohnt, führt zum Kern der kulinarischen Philosophie des Dampfgarens: Qualität vor Geschwindigkeit.

Nachdem Sie nun die technologischen und kulinarischen Vorteile des Dampfgarens verstanden haben, besteht der nächste Schritt darin, dieses Wissen auf Ihre eigene Küche anzuwenden. Beginnen Sie damit, die Wasserhärte an Ihrem Wohnort zu prüfen und Ihr Gerät entsprechend zu konfigurieren, um die Basis für jahrelange, perfekte Ergebnisse zu schaffen.

Geschrieben von Johannes Schmied, Gelernter Messerschmied und Experte für Küchenausstattung mit einer Leidenschaft für Materialkunde. Über 12 Jahre Erfahrung in der Beratung zu hochwertigem Kochgeschirr, Klingenstahl und Pfannenbeschichtungen.