Veröffentlicht am März 15, 2024

Die perfekte Tischdekoration ist kein Zufall, sondern gezieltes sensorisches Design, das Düfte, Farben und Haltbarkeit strategisch kombiniert.

  • Stark duftende Blumen wie Lilien oder Hyazinthen sind tabu, da sie mit dem Essen konkurrieren und in Deutschland oft mit Trauer assoziiert werden.
  • Warme Farben wie Orange und Gelb regen den Appetit visuell an, während nachhaltige Techniken wie der Kenzan-Steckigel für Frische ohne Wasserflecken sorgen.

Recommandation : Betrachten Sie Ihre Blumenauswahl als integralen Bestandteil des Menüs, um ein harmonisches Gesamtkunstwerk für alle Sinne zu schaffen.

Ein liebevoll gedeckter Tisch ist das Herzstück jeder Einladung. Das Porzellan glänzt, die Gläser funkeln und in der Mitte thront … ein Blumenstrauß. Doch allzu oft wird aus diesem potenziellen Highlight eine Quelle stiller Frustration. Die Blüten lassen nach wenigen Stunden die Köpfe hängen, ein aufdringlicher Duft legt sich über das Aroma des Bratens oder, schlimmer noch, ein Gast beginnt leise zu niesen. Die üblichen Ratschläge – Stiele anschneiden, saisonal kaufen – sind zwar richtig, kratzen aber nur an der Oberfläche.

Die landläufige Meinung behandelt Tischblumen als reines Dekorationsobjekt. Man konzentriert sich auf die Farbe und vielleicht noch auf die Größe. Doch was wäre, wenn die wahre Meisterschaft nicht im reinen Arrangieren, sondern im bewussten Kuratieren der Sinne liegt? Wenn die Auswahl der Blüten eine strategische Entscheidung ist, die das Geschmackserlebnis Ihrer Gäste direkt beeinflusst? Der Schlüssel liegt darin, die Blumendekoration nicht als Zusatz, sondern als integralen Bestandteil des kulinarischen Erlebnisses zu verstehen – ein Prinzip, das man als sensorisches Design bezeichnen kann.

Dieser Ansatz verwandelt Sie vom einfachen Gastgeber in einen Meisterfloristen Ihrer eigenen Tafel. Es geht darum, eine olfaktorische Harmonie zu schaffen, die das Menü unterstreicht, statt es zu überdecken. Es geht um visuelle Appetitanregung durch gezielte Farbwahl und um die Gewährleistung biologischer Haltbarkeit, damit Ihre Kreation den ganzen Abend über strahlt. Dieser Artikel führt Sie durch die entscheidenden Prinzipien, um Blumen nicht nur schön, sondern auch intelligent für Ihre Tafel auszuwählen und ein unvergessliches Gesamtkunstwerk zu schaffen.

Um Ihnen den Weg zu ebnen, beleuchten wir in den folgenden Abschnitten die wichtigsten Aspekte – von der Duftpsychologie über die Farb- und Menüabstimmung bis hin zu nachhaltigen Techniken, die für langanhaltende Frische sorgen.

Warum sind Hyazinthen oder Lilien auf dem Esstisch ein absolutes Tabu?

Die erste und wichtigste Regel der floralen Tischkultur lautet: Der Duft der Blumen darf niemals mit dem Aroma der Speisen konkurrieren. Ein intensiver Blütenduft, so angenehm er im Flur oder Badezimmer sein mag, wird am Esstisch zur olfaktorischen Konkurrenz. Er überlagert die feinen Nuancen eines Weins oder die delikaten Röstaromen eines Gerichts. Blumen wie Hyazinthen, Gardenien, Jasmin oder stark duftende Lilien sind daher für den Esstisch ungeeignet. Ihr schweres, süßliches Parfum kann nicht nur ablenken, sondern bei manchen Gästen sogar Kopfschmerzen verursachen.

Darüber hinaus spielen kulturelle Assoziationen eine entscheidende Rolle. Gerade in Deutschland werden weiße Lilien traditionell und stark mit Trauerfeiern und Beerdigungen in Verbindung gebracht. Sie auf einem festlich gedeckten Tisch zu platzieren, kann bei Ihren Gästen unbewusst für Irritation oder eine gedrückte Stimmung sorgen. Dekoration ist immer auch ein Zeichen der Wertschätzung, und die Wahl der falschen Blume kann unbeabsichtigt das Gegenteil signalisieren. Es geht darum, einen Raum zu schaffen, in dem sich die Gäste wohlfühlen, sich ungestört unterhalten und das Essen genießen können.

Um auf Nummer sicher zu gehen, sollten Sie folgende Punkte beachten:

  • Meiden Sie alle Blumen, die bereits im Laden einen starken Eigenduft haben. In einem geschlossenen, warmen Raum wird dieser Duft noch intensiver.
  • Setzen Sie auf optisch präsente, aber geruchlich zurückhaltende Sorten wie Ranunkeln, Anemonen oder viele Hortensienarten.
  • Auch Rosen sind eine gute Wahl, insbesondere Sorten mit dichten Blütenblättern, da diese tendenziell weniger Pollen und Duft abgeben.
  • Führen Sie einen „Nasentest“ durch: Was im Freien oder im großen Blumenladen dezent riecht, kann am heimischen Esstisch überwältigend wirken.

Letztendlich ist die Wahl neutral duftender Blumen keine Einschränkung, sondern ein Akt der Raffinesse und des Respekts gegenüber Ihren Gästen und Ihrer Kochkunst.

Wie halten Gestecke einen ganzen Abend frisch, ohne Wasserflecken auf der Decke?

Die größte Sorge eines jeden Gastgebers ist ein Gesteck, das bereits beim Hauptgang die Blätter hängen lässt. Biologische Haltbarkeit beginnt lange vor dem Arrangieren. Der Schlüssel liegt in der maximalen Wasseraufnahme. Ein schräger Anschnitt im 45-Grad-Winkel vergrößert die Oberfläche des Stiels und verhindert, dass er flach auf dem Vasenboden aufliegt und kein Wasser mehr ziehen kann. Stellen Sie die Blumen sofort nach dem Kauf und Anschnitt in frisches Wasser. Ein kleiner Spritzer Zitronensaft kann den pH-Wert des Wassers leicht senken und die Wasseraufnahme verbessern, während eine alte Floristenweisheit besagt, dass eine Kupfermünze im Wasser antibakteriell wirkt.

Für ein professionelles und auslaufsicheres Arrangement gibt es eine elegante und nachhaltige Alternative zum klassischen, oft umweltschädlichen Steckschaum: den Kenzan, auch Steckigel genannt. Diese aus der japanischen Ikebana-Kunst stammende Technik verwendet eine schwere Basis mit Messingnadeln, auf die die Stiele gesteckt werden. Der Kenzan wird in eine flache, wasserdichte Schale gelegt und ermöglicht eine präzise, luftige und moderne Gestaltung. Da die Schale das Wasser sicher enthält, sind Wasserflecken auf der Tischdecke ausgeschlossen.

Die Arbeit mit einem Kenzan erlaubt es, die natürliche Schönheit jeder einzelnen Blüte zu betonen, anstatt sie in eine dichte Masse zu zwängen. So entstehen minimalistische und gleichzeitig ausdrucksstarke Kunstwerke.

Blumenarrangement mit japanischem Kenzan-Steckigel statt Steckschaum

Wie das Bild zeigt, ermöglicht der Steckigel eine präzise Platzierung von Stielen und Zweigen und schafft eine stabile Basis in einer flachen Schale. Dies ist nicht nur eine ästhetisch anspruchsvolle, sondern auch eine wiederverwendbare und damit umweltfreundliche Floristik-Technik. Geben Sie den Blumen ein bis zwei Tage Zeit, um sich im Wasser vollzusaugen und leicht aufzublühen, bevor Sie sie auf dem Kenzan arrangieren. So können Sie die finale Größe der Blüten besser einschätzen und ein langanhaltend frisches Gesteck kreieren.

Durch die Kombination der richtigen Vorbereitung und moderner, nachhaltiger Hilfsmittel garantieren Sie eine makellose und langlebige Blumendekoration.

Warum kosten Pfingstrosen im Dezember ein Vermögen und was sind die Alternativen?

Die prächtigen, opulenten Blüten der Pfingstrose sind im späten Frühling ein Sinnbild für Luxus und Romantik. Ihr Wunsch, diese Schönheit im Winter auf den Tisch zu bringen, ist verständlich, hat aber einen hohen Preis – sowohl finanziell als auch ökologisch. Pfingstrosen haben eine kurze, klar definierte Saison, meist von Mai bis Juni. Außerhalb dieser Zeit müssen sie aus der südlichen Hemisphäre, beispielsweise aus Neuseeland oder Chile, importiert werden. Der enorme Transportaufwand per Luftfracht, die Kühlung und die geringe Verfügbarkeit treiben den Preis in astronomische Höhen. Jeder Stiel wird so zu einem kleinen Luxusgut mit einer bedenklichen CO2-Bilanz.

Ein meisterhafter Florist zeichnet sich nicht dadurch aus, jede Blume zu jeder Zeit verfügbar zu machen, sondern dadurch, die Schönheit jeder Saison zu erkennen und zu nutzen. Statt teuren Importen nachzujagen, sollten Sie sich auf saisonale Alternativen konzentrieren, die eine ähnliche Ästhetik bieten. Im Winter sind gefüllte Ranunkeln eine exzellente Wahl. Ihre vielschichtigen, dicht gefalteten Blüten erinnern an die Üppigkeit von Pfingstrosen, sind aber in den Wintermonaten aus europäischem Anbau (z.B. Italien) leichter und günstiger erhältlich.

Eine weitere kreative und besonders nachhaltige Option ist die Abstraktion. Anstatt die echte Blume zu erzwingen, können Sie deren Form und Opulenz auf andere Weise interpretieren. Künstlerisch gefaltete Servietten in Form von Pfingstrosen oder beeindruckende, handgefertigte Riesen-Dahlien aus Krepppapier können zu einem echten Blickfang und Gesprächsthema werden. Diese Alternativen sind nicht nur budget- und umweltfreundlich, sondern zeugen auch von besonderer Kreativität und Wertschätzung für Ihre Gäste.

Indem Sie saisonale und regionale Schätze wählen oder kreative Interpretationen wagen, zeigen Sie wahres Stilbewusstsein und handeln gleichzeitig verantwortungsvoll.

Welche Blütenfarben regen den Appetit an und welche wirken eher kühl und distanziert?

Farben sind nicht nur Dekoration; sie sind eine nonverbale Sprache, die unsere Stimmung und sogar unsere physiologischen Reaktionen beeinflusst. Am Esstisch kann die Farbe Ihrer Blumen die Wahrnehmung des Essens und den Appetit Ihrer Gäste unbewusst steuern. Die Farbpsychologie liefert hier klare Hinweise: Warme Farben wie Gelb, Orange und Rot regen nachweislich den Appetit an. Diese Farben werden mit Energie, Freude und Reife assoziiert und senden dem Gehirn Signale, die den Stoffwechsel leicht anregen können. Ein Strauß in leuchtenden Orangetönen kann daher die Vorfreude auf ein würziges Kürbisgericht oder eine mediterrane Speisefolge steigern.

Im Gegensatz dazu wirken kühle Farben wie Blau oder Violett eher beruhigend, distanziert und intellektuell. Sie werden seltener mit Lebensmitteln in Verbindung gebracht (abgesehen von Blaubeeren oder Feigen) und können den Appetit sogar leicht dämpfen. Das bedeutet nicht, dass sie gänzlich vermieden werden müssen. In einem sehr formellen, eleganten Rahmen oder an einem heißen Sommertag kann ein Hauch von kühlem Blau für eine erfrischende und edle Atmosphäre sorgen. Grün, die Farbe der Natur und Frische, wirkt ausgleichend und harmonisierend und ist die perfekte Begleitfarbe für nahezu jedes Arrangement, da sie Vitalität signalisiert, ohne aufdringlich zu sein.

Die Kunst liegt in der bewussten Kombination, die auf das Menü und die gewünschte Atmosphäre abgestimmt ist. Ein Arrangement aus gelben Tulpen und orangefarbenen Ranunkeln schafft eine heitere, gesellige Stimmung, während eine Komposition aus weißen Rosen, Eukalyptus und nur wenigen blauen Disteln Eleganz und Ruhe ausstrahlt.

Die folgende Tabelle fasst die Wirkung der wichtigsten Farben zusammen und gibt eine Empfehlung für ihre Eignung am Esstisch.

Farbwirkung auf den Appetit
Farbe Wirkung Eignung für Esstisch
Orange Steht nicht nur für Offenheit und Appetit Sehr gut – appetitanregend
Rot Aktivierend, appetitanregend Gut in Maßen
Gelb Heiter, einladend Gut für lockere Atmosphäre
Blau Das kühle Blau für Frische Zurückhaltend einsetzen
Grün Kann entspannend und erholsam sein Gut als Begleitung

Durch den gezielten Einsatz von Farbe wird Ihre Tischdekoration von einem stillen Begleiter zu einem aktiven Gestalter des kulinarischen Erlebnisses.

Auf welche Blumen sollten Sie verzichten, wenn Sie die Allergien Ihrer Gäste nicht kennen?

Nichts stört ein gelungenes Dinner mehr als ein Gast, der mit tränenden Augen und laufender Nase am Tisch sitzt. Pollenallergien sind weit verbreitet; Studien zeigen, dass mehr als 10 Millionen Erwachsene in Deutschland an saisonalen Symptomen leiden. Als aufmerksamer Gastgeber ist es Ihre Verantwortung, dieses Risiko zu minimieren, besonders wenn Sie die gesundheitliche Verfassung Ihrer Gäste nicht im Detail kennen. Die gute Nachricht ist: Es gibt eine große Auswahl an wunderschönen Blumen, die als hypoallergen gelten.

Die Faustregel lautet: Pflanzen, die von Insekten bestäubt werden, sind oft die bessere Wahl. Ihre Pollen sind in der Regel größer, schwerer und klebriger, sodass sie nicht so leicht durch die Luft schweben. Dazu gehören viele Blumen mit großen, prächtigen Blüten. Im Gegensatz dazu sind windbestäubte Pflanzen, oft mit kleineren, unscheinbareren Blüten, die Hauptverursacher von Heuschnupfen. Ihre leichten, winzigen Pollen werden in großen Mengen in die Luft abgegeben. Ein absolutes Tabu sind daher viele Korbblütler wie Chrysanthemen, Astern oder Kamille sowie Gräser und Birkenzweige.

Um Ihnen die Auswahl zu erleichtern und sicherzustellen, dass alle Ihre Gäste den Abend unbeschwert genießen können, dient die folgende Checkliste als praktischer Leitfaden für eine allergikerfreundliche Blumendekoration.

Ihr Plan für eine allergikerfreundliche Auswahl

  1. Sichere Wahl treffen: Bevorzugen Sie Blumen wie Rosen, Rittersporn, Anemonen, Akelei, Clematis und Hortensien, da diese als besonders allergenarm gelten.
  2. Auf Bestäubungsart achten: Setzen Sie auf Pflanzen mit großen Blüten, die typischerweise von Insekten bestäubt werden, da ihre Pollen nicht frei durch die Luft fliegen.
  3. Risikogruppen meiden: Verzichten Sie konsequent auf Korbblütler, zu denen Chrysanthemen, Beifuß, Astern, Kamille und Löwenzahn gehören.
  4. Geheimtipps nutzen: Das zarte Vergissmeinnicht ist nicht nur eine hübsche Ergänzung, sondern auch für seine geringe allergene Wirkung bekannt.
  5. Pollen binden: Besprühen Sie das fertige Gesteck vor dem Platzieren auf dem Tisch leicht mit Wasser. Dies bindet eventuell vorhandene Pollen und verhindert deren Aufwirbeln.

Eine rücksichtsvolle Blumenauswahl ist ein stilles, aber starkes Zeichen Ihrer Gastfreundschaft und sorgt dafür, dass die einzige Reaktion auf Ihre Dekoration pure Bewunderung ist.

Wie stimmen Sie Deko auf das Menü ab, ohne dass es kitschig wirkt?

Die höchste Form der Tischkultur ist erreicht, wenn Dekoration und Menü eine Geschichte erzählen. Es geht nicht darum, Zitronen neben das Fischgericht zu legen, sondern eine atmosphärische Verbindung zu schaffen, die das Thema des Essens aufgreift und erweitert. Der Schlüssel zur Vermeidung von Kitsch liegt in der Subtilität und Natürlichkeit. Anstatt direkter thematischer Nachbildungen sollten Sie auf Assoziationen, Texturen und Stimmungen setzen. Servieren Sie ein herbstliches Waldmenü mit Wild und Pilzen? Ergänzen Sie die Tafel nicht mit Plastikpilzen, sondern mit kleinen Inseln aus echtem Moos, zarten Farnwedeln und einigen Zweigen mit dunklen Beeren.

Ein weiterer Weg, um Eleganz zu bewahren, ist die Konzentration auf eine lockere, natürliche Ästhetik. Ein Gesteck muss nicht perfekt kugelförmig sein. Ein Arrangement im Stil eines Wiesenblumenstraußes, locker in eine schlichte Glasvase gestellt, wirkt ungezwungen, lebendig und authentisch. Diese lässige Natürlichkeit passt wunderbar zu einer leichten, modernen Landhausküche oder einem sommerlichen Grillfest. Es erzeugt den Eindruck, als hätten Sie die Blumen eben erst im Garten gepflückt.

Für ein sehr modernes, architektonisches Ambiente oder ein minimalistisches Menü kann der gegenteilige Ansatz ebenso wirkungsvoll sein. Hier geht es um Reduktion und grafische Wirkung. Eine einzelne, skulpturale Blüte wie eine weiße Calla-Lilie in einer schlanken, hohen Vase kann mehr Aussagekraft haben als ein ganzer Strauß.

Minimalistische Tischdekoration mit einzelner Calla-Lilie

Diese von der Klarheit des Bauhaus-Stils inspirierte Dekoration zeigt, wie eine einzige Form und die Betonung des Leerraums eine dramatische und hoch-elegante Wirkung erzielen können. Der Kontrast zwischen der organischen Kurve der Blüte und der strengen Geometrie der Vase wird zum Kunstwerk. Dieser Stil harmoniert perfekt mit einer puristischen Küche, die sich auf wenige, aber hochwertige Zutaten konzentriert.

Ob opulente Natürlichkeit oder grafischer Minimalismus – die beste Dekoration ist die, die die Seele Ihres Menüs widerspiegelt, ohne sie zu übertönen.

Was unterscheidet die Ur-Karotte geschmacklich von der orangefarbenen Standardrübe?

Diese Frage mag auf den ersten Blick spezifisch erscheinen, doch sie öffnet die Tür zu einem fundamentalen Prinzip, das sowohl für die Küche als auch für die Floristik gilt: die Wertschätzung von Vielfalt und Authentizität. Die Ur-Karotte, die oft violett, gelb oder weiß ist, unterscheidet sich von der uns bekannten orangefarbenen Variante durch einen intensiveren, oft süßeren und erdigeren Geschmack. Sie ist ein Beispiel für die reiche Biodiversität, die durch industrielle Standardisierung oft in den Hintergrund gedrängt wird. Sie erzählt eine Geschichte von Ursprung und Terroir.

Genau dieselbe Philosophie lässt sich auf die Blumenauswahl übertragen. Anstatt immer nur auf die perfekt geformte Standardrose oder die makellose Gerbera zurückzugreifen, entdecken Sie die Welt der „Ur-Blumen“: historische Rosensorten mit betörendem Duft (für den Eingangsbereich, nicht den Tisch!), zarte, fast vergessene Feldblumen oder die skurrilen Formen von Allium-Blüten. Diese weniger bekannten Schönheiten bringen Charakter, Textur und eine einzigartige Persönlichkeit auf Ihren Tisch. Sie brechen mit der Erwartungshaltung und werden, genau wie eine violette Karotte im Salat, zum interessanten Gesprächsthema.

Die Integration dieser ungewöhnlichen Elemente ist ein Plädoyer für mehr Mut und Individualität in der Dekoration. Es zeigt, dass Sie als Gastgeber nicht nur Trends folgen, sondern eine eigene Ästhetik pflegen und die Geschichten zu schätzen wissen, die in der Natur verborgen sind. Das renommierte deutsche Floristikmagazin BLOOM’s fasst diesen Gedanken treffend zusammen:

Ein Plädoyer für Biodiversität auf dem Teller und in der Vase

– BLOOM’s Magazin, Tischdeko – die schönsten Ideen für jeden Anlass

Indem Sie die Vielfalt der Natur sowohl in der Küche als auch in der Vase zelebrieren, kreieren Sie eine tiefere, authentischere und unvergesslichere Form der Gastfreundschaft.

Das Wichtigste in Kürze

  • Duft ist entscheidend: Starke Düfte wie Lilien überlagern das Essen und können kulturell negativ besetzt sein.
  • Farbe beeinflusst den Appetit: Warme Töne (Orange, Gelb) wirken anregend, kühle Töne (Blau) distanziert.
  • Nachhaltigkeit und Technik siegen: Saisonale Alternativen und Techniken wie der Kenzan-Steckigel sorgen für langanhaltende, umweltfreundliche Schönheit.

Musik, Licht und Duft: Wie steuern Sie das Unterbewusstsein Ihrer Gäste für einen perfekten Abend?

Eine meisterhafte Tischdekoration entfaltet ihre volle Wirkung erst im Zusammenspiel mit den anderen sensorischen Ebenen des Raumes. Die Blume ist die Hauptdarstellerin auf der Bühne, aber Licht, Musik und der grundlegende Raumduft bilden das entscheidende Bühnenbild. Dieses Konzept, alle Sinne harmonisch zu einem Ganzen zu vereinen, ist tief in der deutschen Kultur als Idee des „Gesamtkunstwerks“ verankert. Es geht darum, eine immersive Erfahrung zu schaffen, die Ihre Gäste unbewusst in die gewünschte Stimmung versetzt. Wie der Farbpsychologe Axel Buether treffend feststellt: Wir sind Licht- und Farbwesen seit Beginn des Lebens. Wir reagieren instinktiv auf die Atmosphäre, die uns umgibt.

Beginnen Sie mit dem Licht: Helles, kaltes Deckenlicht wirkt unpersönlich und enthüllt jede Imperfektion. Setzen Sie stattdessen auf mehrere, tiefer platzierte und dimmbare Lichtquellen. Indirektes Licht, Kerzenschein oder eine gezielt über dem Tisch platzierte Pendelleuchte mit warmweißem Licht (ca. 2700 Kelvin) schaffen eine intime, schmeichelhafte Atmosphäre. Deutsche Design-Ikonen wie Ingo Maurer oder Occhio sind Meister darin, Licht so zu formen, dass es Speisen und Gesichter optimal zur Geltung bringt.

Die Musik ist der Herzschlag des Abends. Sie sollte präsent genug sein, um Stille zu füllen, aber leise genug, um Gespräche nicht zu stören. Instrumentale Stücke sind meist die beste Wahl. Für ein elegantes Dinner eignet sich sanfte Klaviermusik von deutschen Neo-Klassik-Künstlern wie Nils Frahm oder Martin Kohlstedt, die eine anspruchsvolle und zugleich entspannte Kulisse schaffen. Bei einem lockeren Abend mit Freunden kann es auch eine gut kuratierte Playlist mit entspanntem Indie-Pop oder Soul sein.

Schließlich der Duft: Während der Esstisch selbst frei von künstlichen Aromen bleiben muss, kann ein dezenter, sauberer Duft im Eingangsbereich die Gäste willkommen heißen und eine positive Grundstimmung setzen. Eine hochwertige Duftkerze oder ein Diffuser mit einem leichten, natürlichen Aroma (z.B. Zeder oder Bergamotte) im Flur oder im Gästebad ist ein Zeichen von durchdachter Gastfreundschaft.

Indem Sie Licht, Klang und Duft bewusst als Teil Ihrer Inszenierung begreifen, erheben Sie Ihr Dinner von einer Mahlzeit zu einem unvergesslichen, multisensorischen Ereignis.

Fragen fréquentes sur die Gestaltung eines perfekten Dinners

Welche Musik passt zu einem eleganten Dinner?

Sanfte Klaviermusik von deutschen Ambient-Künstlern wie Nils Frahm oder Martin Kohlstedt schafft eine elegante Atmosphäre ohne aufdringlich zu sein.

Wie beleuchte ich den Esstisch optimal?

Nutzen Sie dimmbare Lichtquellen und indirektes Licht. Deutsche Design-Lampen von Herstellern wie Ingo Maurer oder Occhio beleuchten Speisen und Gesichter schmeichelhaft.

Sollte ich Duftkerzen am Esstisch verwenden?

Der Essbereich sollte frei von künstlichen Düften bleiben. Platzieren Sie Duftquellen nur im Eingangsbereich oder Bad, niemals direkt am Esstisch.

Geschrieben von Viktoria von Hohenstein, Eventmanagerin und Expertin für gehobene Tafelkultur mit Schwerpunkt auf Großveranstaltungen und Catering-Logistik. 18 Jahre Erfahrung in der Planung von Banketten, Hochzeiten und hygienischen Ablaufprozessen.